Was sind Nachfragevorhersagen und wie kann MRP-Software mit ihnen arbeiten?

Nachfragevorhersagen könnten der Schlüssel für die Zukunft eines Unternehmens sein. Doch wie funktionieren sie und können auf die gewinnbringendste Weise eingesetzt werden?

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Zu verstehen, was produziert werden soll, geht über die Planung auf Produktionsebene hinaus.

Natürlich finden Vertriebs- und Marketingaktivitäten statt, um potenzielle Kunden über Produkte zu informieren und schließlich Verkäufe zu erzielen.

Ein weiteres wichtiges Unterfangen für alle Fertigungsunternehmen konzentriert sich jedoch auf Nachfragevorhersagen.

Die Nachfragevorhersage ist ein Prozess, in dessen Rahmen Unternehmen die Nachfrage nach Produkten prognostizieren.

Diese Schätzungen über die zukünftige Nachfrage sehen Kundenverhalten und Kaufentscheidungen voraus und basieren sowohl auf historischen Daten als auch auf anderen Inputs aus der gesamten Organisation.

Nachfragevorhersagen sind für jeden Betrieb entscheidend, weil sie Führungskräften und Entscheidungsfindern helfen, die beste Strategie für ihr Unternehmen und die Produktionsplanung zur Nachfrageerfüllung zu wählen.

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Nachfragevorhersagen können sich als wertvolles Werkzeug für die Entwicklung Ihres Unternehmens erweisen.

Nachfragevorhersagen sind wichtig, weil:

  1. Sie bei der Budgetplanung und der Verhandlung von Lieferantenverträgen helfen.  Durch die Prognose der künftigen Nachfrage kann ein Unternehmen Strategien festlegen und ein transparentes und durchführbares Lieferkettensystem entwickeln.
  2. Sie helfen, Lagerumschlag zu verbessern und den Bestand zu optimieren.  Mit einem präzisen Nachfrageplan können Unternehmen den „Umschlag“ ihres Bestands erhöhen. So können sie mit dem minimal erforderlichen Bestand arbeiten, der einerseits die Produktion sicherstellt und andererseits Lagerausfälle verhindert. So werden Cashflow und Umlaufvermögen befreit sowie Lagerkosten verringert – beides wichtige Punkte für kleine und mittelgroße Unternehmen (KUMs).
  3. Sie helfen, Lieferengpässe aufzudecken und Botttlenecks zu verwalten, und entscheiden proaktiv über Tradeoffs. Wenn Engpässe frühzeitig identifiziert werden, können Unternehmen Pläne aufstellen, um kritische Bottlenecks zu verwalten oder über Tradeoffs zu entscheiden.

Wie Nachfragevorhersagen funktionieren

Nachfragevorhersagen beziehen sich auf Daten, die aus dem gesamten Betrieb erhalten werden.

Dies könnte Daten aus Fertigung, Vertrieb, Planung, Marketing und Finanzen umfassen.

Diese Variablen werden gegen historische Performanceerwartungen abgewogen, um so abzuschätzen, wie sich die Nachfrage im Laufe der Zeit entwickelt.

Pläne können einige Wochen bis mehrere Monate einschließen, bei einigen langfristigen Prognosen sogar Jahre. Je länger der Zeitrahmen jedoch ist, desto weniger präzise wird die Prognose.

Die Daten für Nachfragevorhersagen werden auf mehrere Weisen gesammelt:

Historie

Eine der gängigsten Methoden, die Nachfrage zu bestimmen, ist durch verbrauchsbasierte Planung.

Diese Methode ist simpel, lässt sich schnell einführen und erfordert nur, dass sich ein Unternehmen Daten aus der Vergangenheit ansieht, um die zukünftige Nachfrage zu bestimmen.

Verbrauchsbasierte Systeme können manuell sein, nutzen allerdings keine Echtzeit-Daten.

Falls die Nachfrage aufgrund starker Störungen volatil wird, könnten sich verbrauchsbasierte Systeme schwer tun, die Produktion angemessen hochzufahren (was Lagerausfälle zur Folge hat) beziehungsweise sie und eingehende Lieferungen herunterzufahren (was Lagerüberschuss und gebundenes Kapital erzeugt).

Umfragen

Eine weitere traditionelle Methode zur Einschätzung der Nachfrage sind Marktumfragen.

Das bedeutet, dass Vertrieb und Marketing schriftliche oder mündliche Umfragen durchführen, um die aktuelle Nachfrage zu verstehen und für zukünftige oder neue Produkte zu prognostizieren.

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Marktumfragen sind eine häufige Methode, die Nachfrage zu messen.

Einzelhändler

Viele Fertigungsunternehmen verlassen sich auf Einzelhandelskunden, um sich mit Nachfragedaten zu versorgen.

Die meisten Einzelhändler nutzen heutzutage anspruchsvolle Software zur Nachfrageplanung und können diese Daten mit Fertigungsunternehmen teilen.

Dies kann Unternehmen außerdem helfen, Produktlinien zu standardisieren, um ihre Effizienz zu optimieren oder zu verstehen, welche Neuprodukte wann angeboten werden sollen.

Nachfragesoftware

Durch die stetige Entwicklung des Cloud-Computings ist heutzutage auch Software zur Nachfrageplanung verfügbar.

Diese Plattformen nutzen sämtliche oben genannten Inputs und produzieren durch fortschrittliche Algorithmen und Analysen Nachfragevorhersagen, die auf Echtzeit-Daten basieren.

Da sie mit sämtlichen Datentypen arbeiten können, sind sie von Natur aus präziser als andere Methoden.

Außerdem sind sie weniger fehleranfällig und neigen dazu, die Lieferkette für alle Stakeholder transparenter zu machen, was die Kooperation mit Lieferanten verbessert.

Ungeachtet der Methode oder Kombination aus Methoden erfordern Nachfrageprognosen jedoch, dass diese Variablen in eine Prognose über einen Zeitraum einfließen.

Diese Zeiträume können unterschiedlich lang sein und Entscheidungsträger müssen die Daten so nutzen, dass die nötigen Zeitpläne und Strategien entwickelt werden können, damit die Produktion die Nachfrage erfüllen kann.

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Nachfragevorhersagen ermöglichen mehr Transparenz in der Lieferkette, wodurch sich die Zusammenarbeit mit Lieferanten verbessert.

Wie MRP-Software mit Nachfragevorhersage-Daten arbeitet.

MRP-Software steht keineswegs in Konflikt mit Prognosedaten oder -software.

Tatsächlich können sich die beiden ideal ergänzen.

Die Anwendung von Nachfragevorhersage-Daten kann den Wert einer MRP-Software noch erhöhen, da sie Effizienz, Bestandsanforderungen und Beschaffungsfunktionen optimieren.

Hier sind einige Beispiele, wie eine MRP-Software mit Nachfragevorhersage-Daten arbeitet:

Stücklistenfunktion

MRP-Software ist eng mit der Stückliste verbunden, die zur Kalkulation des Materialbedarfs herangezogen wird.

Sie könnte sogar eine mehrstufige Stückliste nutzen, die Materialmengen, Kosten und andere relevante Informationen berücksichtigen kann, damit das Produkt auf Produktionsebene präzise gefertigt werden kann.

Selbst die allgemeinsten Prognosemethoden nutzen bestimmte Prognosen über fertige Produkte, die mit einer Stückliste abgeglichen werden können und dann auf alle erforderlichen zu beschaffenden Teile „gesprengt“ werden kann.

Beispiel:

Falls ein Hersteller von Mikrowellen fertige Produkte für ein bestimmtes Modell prognostiziert, nutzt die MRP-Software Stücklisten und Routen, damit das Produkt gemäß der Prognose, zur rechten Zeit und in der richtigen Menge gefertigt wird.

Falls eine Prognosesoftware verwendet wird, können die beiden dabei helfen, dass Lieferkette, Produktionsplan und erwartete Nachfrage übereinstimmen.

Dies kann sogar mit mehrstufigen Stücklisten erfolgen, bis auf die letzten Schrauben, Bolzen und Scharniere, damit der Produktionsbereich effizient arbeiten kann.

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Ein MRP-System kann eingesetzt werden, um automatisch Fertigungsaufträge gemäß der Prognose zu erstellen.

Bestelldatum

Die Auflösung der Stückliste führt zum gesamten Materialbedarf, wenn sie mit Vertriebsdaten und tatsächlichen Aufträgen kombiniert wird.

Prognosedaten können genutzt werden, um das Bestalldatum für die benötigten Materialien zu erfahren, damit die aktuellen Aufträge nicht nur mit verfügbarem Bestand ausgeführt werden müssen.

MRP-Software kann außerdem Beschaffungsanforderungen kalkulieren und bereits verfügbares Material sowie Material, das bestellt und noch nicht eingetroffen ist, berücksichtigen.

Durch die Verwendung einer MRP-Software mit Prognosedaten lässt sich das optimale Bestelldatum für Materialien ableiten, um die Produktion reibungslos am Laufen zu halten.

Beispiel:

Falls für den aktuellen Auftragsbestand die Fertigung von monatlich 500 Couchtischen nötig ist, wird ein Beschaffungsplan aufgestellt, der die Produktion in dieser Menge möglich macht.

Falls die Prognose jedoch aufgrund einer Feriensaison Nachfragesignale aufzeigt, die auf eine Gesamtnachfrage von 575 Einheiten pro Monat hindeuten, also 75 mehr, kann die MRP-Software zusätzliche Beschaffungsanforderungen für Materialien erstellen und Ihnen sagen, wann Sie diese bestellen müssen.

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Eine MRP-Software sagt Ihnen, wann Sie fehlende Teile spätestens bestellen müssen und lässt sich automatisch zur Erstellung von Beschaffungsaufträgen einsetzen.

Materialankunft

Nachfragevorhersagen liefern MRP-Software auch hinsichtlich der Materialankunft einen Vorteil.

Das Supply-Chain-Management ist ein feines Gleichgewicht aus Leadzeiten.

Wenn die Materialbestellung auf Nachfragevorhersagen basiert, könnte eine Stückliste stark variierende Leadzeiten für ihre einzelnen Bestandteile haben.

Durch die Nutzung von Prognosedaten kann die MRP-Software den Betrieb auf der Fertigungsebene planen, um sich diese Lieferzeiten zu Nutze zu machen und zu optimieren.

Beispiel:

Für ein Lagerfertigungsprodukt wie Kopfhörer könnten bestimmte Bauteile wie Hüllen, Muttern, Bolzen und Schrauben aus der Region bezogen werden und kurze Leadzeiten haben. Elektronische Komponenten, die aus Übersee bestellt werden, brauchen jedoch mehrere Wochen oder Monate, bis sie eintreffen.

Wenn die richtigen Nachfragevorhersage-Daten zur Verfügung stehen, können Manager die Ankunft von Materialien mit kürzeren Leadzeiten näher am Lieferdatum der Materialien mit längeren Leadzeiten planen.

So kann die MRP-Software Produktionspläne aufstellen, die Kapazität, Arbeit und Bestand berücksichtigen und um Materialien in der richtigen Geschwindigkeit zu bestellen, um den Lieferfristen zu entsprechen.

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Ein MRP-System lässt Sie Materialien zum richtigen Zeitpunkt bestellen.

Fazit

Nachfragevorhersagen sind ein nützliches Werkzeug, das Unternehmen unterstützen kann, optimale Bestandsniveaus, effiziente Beschaffungspraktiken und allgemein ein besseres Lieferkettenmanagement zu erreichen.

Wenn sie gemeinsam mit einer MRP-Software eingesetzt werden, können sie Effizienz und Cashflow Ihres Unternehmens verbessern, indem sie die nötigen Funktionen bereitstellen, die Daten zu nutzen und für bessere Produktionsplanung zu verwenden.

Wenn die Lieferkette transparenter wird, könnten außerdem bessere Bedingungen bei Lieferanten herausgehandelt werden.

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