Was sind Bestellpunkt und Bestellpunktformel?

Der Bestellpunkt ist das Bestandsniveau, bei dem eine Bestellung ausgelöst wird, um den Lagerbestand wieder aufzufüllen.

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Das Bestandsmanagement ist eine komplexe Aufgabe. Jeden Tag müssen tausende SKUs verwaltet und sichergestellt werden, dass jede einzelne von ihnen jederzeit verfügbar ist. Außerdem müssen Sie einen hohen Servicegrad abliefern, die Betriebskosten niedrig halten und Lagerausfälle verhindern. Sollte nur ein Artikel in Ihrer Produktionsstätte fehlen, könnte das pro Bandstillstand einen gewaltigen Gewinnausfall bedeuten.

Ihr Verwaltungspersonal muss sich möglicherweise Zeit nehmen, die richtigen Bestandsmengen zu kalkulieren, um solche Ausfälle zu vermeiden. Mit Einführung der Bestellpunktmethodik kann dieser Prozess jedoch automatisiert werden.

Betrachten wir uns im Folgenden das Konzept des Bestellpunkts sowie seine Formel und die Vorteile, die durch die Einführung seiner Methodik entstehen.

Was ist der Bestellpunkt?

Der Bestellpunkt ist das Bestandsniveau, zu dem eine Bestellung ausgelöst wird, um den Lagerbestand wieder aufzufüllen. Bestand wird im Laufe der Zeit verbraucht, sodass bei Erreichen des Bestellpunkts der Artikel nachbestellt wird. Alle Artikel oder SKUs haben einen individuellen Bestellpunkt. Im Grunde genommen lässt Sie der Bestellpunkt eine Bestellung zur rechten Zeit aufgeben, bevor der Bestand die Grenze zum Auffüllen erreicht.

Bestandteile des Bestellpunkts

Das Bestellpunktmodell benötigt bestimmte Dateneingaben. Durch die Verwendung eines Algorithmus kann das System dann den Bestellpunkt ermitteln. Zu diesen Eingabedaten zählen:

  • Die Verbrauchsrate des Artikels
  • Die Leadzeit, die der Artikel bis zu Ihnen in die Fabrik benötigt
  • Das Niveau Ihres Sicherheitsbestands

Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass dieses Modell dynamisch ist. Das bedeutet, alle Variablen und Parameter unterliegen Änderungen im Laufe der Zeit. Es wird also empfohlen, das System alle 3-6 Monate zu prüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren.

Betrachten wir uns dies an einem Beispiel. Nur weil der Verbrauch eines Kugellagers im letzten Quartal bei 10 Einheiten/Monat lag, heißt das nicht, dass der Verbrauch immer auf diesem Niveau liegen wird.

Sie könnten beispielsweise vorbeugende regelmäßige Wartungsarbeiten in Ihrer Fabrik eingeführt haben, durch die Sie den Verbrauch an Kugellagern merklich reduzieren können. Andererseits könnten Sie auch neue Maschinen beschafft haben, was den Verbrauch der Lager nun erhöht.

Merken Sie sich, dass Ihre Datenvariabilität umso niedriger und Ihre Modellgenauigkeit umso genauer ist, je mehr historische Daten Sie haben.

Nutzen Sie dieses Modell zusammen mit anderen Daten, zum Beispiel:

  • Qualitäts- oder Markenänderungen
  • Änderungen an Lieferanten oder Herstellern
  • Änderungen an Ihrer Stückliste
  • Schwankungen in Ihrer geschäftlichen Tätigkeit
  • Teamwork
  • Gesundem Menschenverstand

Die Vorteile des Bestellpunktverfahrens

Der Bestellpunkt aktiviert automatisch die Bestandsanforderungen. Das Bestellpunktmodell ist ein nützliches Tool zur Entscheidungsfindung und hilft Ihnen, Ihre Bestandslisten zu optimieren und Verwaltungszeit zu sparen. Dadurch können Sie sich darauf konzentrieren, Ihrer Organisation Mehrwert zu liefern, während das System automatisch seine Arbeit macht.
Einige Vorteile, die die Verwendung dieses Systems mit sich bringt, lauten:

  • Sicherstellung eines höheren Servicegrads mit externen oder internen Kunden
  • Vermeidung von Verzögerungen oder Bottlenecks in der Lieferkette
  • Vermeidung von frühzeitigen Lieferungen
  • Verringerung von Bestandskosten
  • Optimierung des Lagerraums
  • Mitarbeiter sparen Zeit und können sich auf Mehrwert-schaffende Tätigkeiten konzentrieren
  • Gefühle werden durch Fakten und Daten ersetzt

Bestellpunktformel

Der Bestellpunkt muss pro Artikel berechnet werden. Tabellen oder ERP-Systeme können Ihnen helfen, diese Arbeit automatisch zu verrichten. Die Bestellpunktformel lautet:

Bestellpunkt = Durchschnittlicher Verbrauch während der Leadzeit + Sicherheitsbestand

BP = LZ * DN + SB

Wobei,

LZ: Durchschnittliche Leadzeit

DN: Durchschnittliche Nachfrage

SB: Sicherheitsbestand

Annahmen in der Bestellpunktformel

Die Bestellpunktformel basiert auf einem mathematischen Modell, weshalb es in ihr einige Annahmen gibt. Diese lauten wie folgt:

  • Die Nachfragerate ist konstant
  • Die Leadzeit ist konstant
  • Kaufaufträge werden pro Charge aufgegeben
  • Die Kaufaufträge werden freigegeben, wenn der Bestellpunkt erreicht wird
  • Ersatz tritt gleichzeitig auf.

Nachstehend finden Sie einen Graphen, der diese Konzepte zusammenfasst.

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An diesem Graphen können Sie folgendes erkennen:

Die Leadzeit (LT) ist der Zeitraum, in dem die Bestellung freigegeben werden muss, um zu vermeiden, unter den Sicherheitsbestand zu fallen (SS). Die Leadzeit wird von der Bestellaufgabe ((TROP) bis zur Ankunft der Bestellung in Ihrer Fabrik gemessen (Arrival).

Die Losgröße ist das Volumen in Einheiten pro freigegebener Bestellung. Sie kann durch das Verfahren der optimalen Bestellmenge ebenfalls optimiert werden.

Wie Sie wahrscheinlich wissen, ist der Sicherheitsbestand (SS) der Bestand, der Nachfragefluktuationen abdeckt. Falls Ihr Lieferant aus irgendeinem Grund die Lieferung eines Artikels verzögert oder sich die Verbrauchsrate erhöht, deckt der Sicherheitsbestand den Bestandsmangel kurzfristig ab. Das nächste Mal, wenn Sie eine Bestellung aufgeben, schließen Sie also den verbrauchten Sicherheitsbestand plus die Losgröße ein.

Verdeutlichen wir das an einem weiteren Beispiel. Ihre Organisation nutzt durchschnittlich 100 Einheiten Rohstoffe pro Tag und Sie führen 1000 Einheiten als Sicherheitsbestand. Angenommen, die Bestellungen brauchen durchschnittlich 3 Tage, bis Sie bei Ihnen eintreffen. In diesem Fall sieht der Bestellpunkt folgendermaßen aus:

Durchschnittlicher Verbrauch während der Leadzeit = 100 Einheiten/Tag * 3 Tage = 300 Einheiten

BP = 300 Einheiten + 1000 Einheiten

BP = 1300 Einheiten

Beachten Sie, dass die Losgröße nicht 1300 Einheiten beträgt, sondern der Punkt, an dem die Bestandsauffüllung ausgelöst wird. Das bedeutet, dass Sie den Bestellpunkt auf 1300 Einheiten in Ihrem Auffüllungssystem für diesen Artikel und Lieferanten setzen müssen. Falls Sie den Lieferanten wechseln, wird dies auch die Lieferzeit beeinflussen – stellen Sie also sicher, diese Tatsache in Ihrem System zu berücksichtigen.

Falls sich die Verbrauchsrate erhöht, wird der nächste Bestellpunkt früher stattfinden. Sollte die Verbrauchsrate sinken, kommt der nächste Bestellpunkt entsprechend später.

Nehmen wir jetzt an, dass sich die Verbrauchsrate während der Lieferzeit des letzten Beispiels auf 500 Einheiten erhöht hat, also mehr verbraucht wurde als die geplanten 300 Einheiten. Demnach müssen Sie 200 Einheiten aus Ihrem Sicherheitsbestand verwenden.

Falls Leadzeit und/oder Verbrauchsrate alternativ zu sehr schwanken oder Sie keinen Sicherheitsbestand haben, können Sie die maximalen Zahlen nutzen.

Bestellpunkt = Maximale Leadzeit * Maximale Nachfrage

Beachten Sie schließlich, immer dieselben Einheiten zu verwenden! Falls Sie die Nachfrage in Einheiten pro Tag angeben, müssen Sie die Leadzeit in Tagen nutzen. Geben Sie die Nachfrage in Einheiten pro Monat an, muss die Leadzeit ebenfalls in Monaten angegeben werden und so weiter.