Alternativen für MS Dynamics AX und MS Dynamics NAV für Kleinunternehmen

Dank der Agilität, Flexibilität und Erschwinglichkeit der ERP-Systeme von heute stehen kleinen Herstellungsunternehmen viele an ihre besonderen Bedürfnisse angepasste Fertigungs-Software-Plattformen zur Auswahl.

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Die Suche nach dem richtigen ERP-System kann viele Unternehmen vor eine große Herausforderung stellen. Die schier endlose Anzahl an Produkten kann sehr einschüchternd sein, weshalb sich Unternehmen oft zu bekannteren Marken hingezogen fühlen, deren andere Produkte und Anwendungen sie kennen und in der Vergangenheit möglicherweise schon genutzt haben. Bei ERP-Systemen ist das jedoch nicht immer eine kluge Entscheidung.

Zwei Beispiele einer solchen Marke sind  Microsoft Dynamics AX (Jetzt umbenannt zu Dynamics 365) und Microsoft Dynamics NAV (Jetzt umbenannt zu MS Dynamics 365 Business Central).  Beide sind ERP-Lösungen, die als System mit vollem Service und vollen Features konzipiert wurden. Es bestehen jedoch Unterschiede zwischen den beiden basierend auf der Größe und dem Umfang des Unternehmens, in dem sie eingesetzt werden. Betrachten wir uns im Folgenden einige dieser Unterschiede:

  • Kundenfokus – MS Dynamics AX ist für große internationale Kunden entwickelt worden, die ein ERP über mehrere Orte und potenziell internationale Grenzen hinweg managen müssen. Dynamics NAV hingegen ist eher auf mittelgroße Unternehmen ausgerichtet und mit deren Wachstum skalierbar.
  • Branchenflexibilität – Bei MS Dynamics AX machen sechs bestimmte Branchen den Großteil des Einsatzgebiets aus: Dienstleistung, Herstellung, Vertrieb, Finanzen, öffentlicher Sektor und Einzelhandel. Dynamics NAV hingegen ist ein flexibles und anpassungsfähiges ERP, das sich an jede Branche angleichen lässt.
  • Komplexität der Einführung – Da MS Dynamics AX für große Unternehmen konzipiert ist, bringt es eine Menge Features mit und braucht mehr Zeit, vollständig eingeführt zu werden. MS Dynamics NAV ist leichter und schneller einzuführen. Beide bieten Vor-Ort – und Cloud-basierten Service.

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Wie groß ist zu groß?

Bei einem Test diesert beiden MS-Produkte lässt sich sofort eine eindeutige Feststellung treffen. Obwohl sich Dynamics NAV eher auf mittelgroße Unternehmen konzentriert, sind beide Systeme für kleine Unternehmen, die eine ERP-Lösung suchen, einfach zu groß und zu teuer. Wenn solche Unternehmen dann vor dem Kauf eines solchen Systems stehen, das für ihre Anforderungen einfach viel zu viel mitbringt, fangen sie schnell an zu zögern. Ihnen wird klar, dass sie ein agiles ERP mit vollem Service benötigen, können sich all die Features der beiden Produkte von Microsoft aber entweder nicht leisten oder benötigen sie erst gar nicht. Sobald ihnen das bewusst wird, stellen die beiden Produkte dieser Marke, die sie so gut kennen, leider keine realistische Wahl mehr dar.

Glücklicherweise gibt es jedoch auch für kleine Hersteller sowohl für MS Dynamics AX als auch für MS Dynamics NAV gute Alternativen. Diese Lösungen bieten den Servicegrad und die Features, die sie zu einem voll ausgereiften ERP-System machen, während sie agile, flexible und erschwingliche Lösungen in einer modularen und Cloud-basierten Umgebung liefern. Betrachten wir uns einige dieser Alternativen, die von kleinen Unternehmen in Erwägung gezogen werden können.

ERPs, die alle bedienen

Am einen Ende des Spektrums sind gemeinhin bekannte ERP-Namen. Diese Marken haben eine lange, bewährte Geschichte, die der von MS Dynamics AX und MS Dynamics NAV in Sachen Funktionalität gleichkommt, und von kleinen, mittleren und großen Unternehmen genutzt werden. Viele verfügen auch über eine Finanzsoftware, durch die kleinere Unternehmen ihre finanziellen Tätigkeiten gemäß der Best Practice Standards managen können. Diese ERP-Systeme schließen Plattformen ein wie:

  • Oracle eBusiness Suite – Oracle eBusiness Suite ist eine Cloud-basierte Plattform, die Geschäftsprozesse für die Fertigung optimiert, um die Produktionskapazität ideal zu nutzen und effiziente und präzise Workflows zu schaffen. Die Plattform bringt eine Menge Anwendungen mit, von Wartungsmanagement über Finanzperformance bis hin zu Personal, CRM und vielem mehr.

Die Software lässt sich laut vielen Unternehmen leicht konfigurieren und ist höchst kompatibel mit Anwendungen von Drittanbietern. Ausbildungsmaßnahmen und die leichte Verwendung für die Belegschaft verkürzten zudem die Lernkurve. Die modulare Liste an Anwendungen von Oracle eBusiness Suite kann jedoch zu höheren Preisen führen, die für viele Hersteller nicht mehr erschwinglich sind. Die Kosten für jedes Unternehmen unterscheiden sich zwar, je nach angewandten Features, allerdings ist dieses System dennoch eine der teuersten Lösungen auf dem Markt.

  • SAP ERP Ein weiterer bekannter Performer innerhalb der ERP-Branche ist SAP. Bei SAP ERP stehen Fertigungsoperationen, Personal-Funktionalität und Finanzmanagement im Zentrum. Die Plattform integriert sich gut in anderen funktionalen Bereichen und ist intuitiv und leicht zu lernen. Außerdem ist sie extrem anpassbar und bekannt für ihre hohe Datensicherheit.

Zu den Nachteilen zählen eine langsame Reaktionszeit, je nachdem, wie viele Nutzer das System zu einem gewissen Zeitpunkt nutzen, und die hohen Kosten. Wie Oracle eBusiness Portal ist SAP ERP zwar vielseitig und modular, zielt aber trotzdem eher auf mittlere bis große Unternehmen ab, was sich an den Kosten widerspiegelt.

Diese beiden Lösungen mögen brauchbare Alternativen für MS AX und NAV sein, doch für kleine Hersteller sind sie dennoch nicht ideal.

AX und NAV Alternativen für kleine Herstellungsunternehmen

Anliegen wie Kosten, Flexibilität und die Gelegenheit, ein preiswertes ERP mit vollem Service und Funktionalitäten nach Wahl zu verwenden, stehen bei kleinen Herstellern weit oben auf der Prioritätenliste. Jenen kleinen Unternehmen, die nach kosteneffektiven ERP-Lösungen mit sämtlichen Features suchen, die zudem agil und flexibel sind, stehen viele Herstellungssoftwaresysteme zur Auswahl. All diese Systeme bieten ihnen damit ein ERP-System, das denen größerer Unternehmen in nichts nachsteht.

MRPeasy

MRPeasy fing als MRP-System an, weshalb seine Kernfunktionen Fertigung, Fertigungssteuerung, Materialplanung, Bestand, Verkaufsauftragsmanagement, Lagerhallenmanagement und Arbeitsauftragsmanagement lange bewährt und erprobt sind. MRPeasy hat sich mittlerweile zu einem voll ausgereiften ERP-System entwickelt.

Viele Kleinunternehmen, die ein ERP-System suchen, sorgen sich um ihr Finanzmanagement, um gemäß der Best Practices tätig zu sein. MRPeasy hat seine ERP-Plattform deshalb so konzipiert, dass sie mit Xero und QuickBooks integriert werden kann. Diese Programme werden von kleinen und mittelgroßen Unternehmen weitläufig als bevorzugte Buchhaltungssoftwares verwendet. Mit seinem integrierten Standard-Buchhaltungsmodul oder durch die Integration der MRP-Funktionen mit Quick Books Online und Xero bietet MRPeasy eine voll funktionale ERP-Lösung für kleine bis mittelgroße Unternehmen mit 10-200 Angestellten. Diesen ist das Finanzsystem damit bereits vertraut und sie müssen sich nicht umgewöhnen. Für jene kleinen Hersteller mit Büropersonal hilft die Möglichkeit, ein vertrautes Zahlungs- und Buchhaltungssystem beizubehalten dabei, sowohl Stress als auch die Lernkurve für ein neues System zu verringern.

Das MRPeasy-System ist ausschließlich Browser-basiert und erfordert keine Installation. Aufgrund dessen fallen keine Wartungsarbeiten an und Updates werden erfahrungsgemäß sofort und unauffällig durchgeführt. Das System bietet eine Vielzahl an Nutzeranleitungen, FAQs und anderen Tools, um Lernkurve und Ausbildung für die Einführung zu optimieren. Die Integration mit Xero und QuickBooks macht die Finanz- und Buchhaltungsfunktionen sofort vertrauenswürdig aufgrund der Bekanntheit dieser Partnerunternehmen. MRPeasy funktioniert auch auf Mobilgeräten mit Android und iOS.

Zu den Nachteilen zählen mögliche Sicherheitsbedenken und Verbindungsprobleme aufgrund der Browser-basierten Einrichtung. Diese Bedenken können jedoch durch die Tatsache ausgeräumt werden, dass die Daten auf dedizierten Servern mit Hot-Backups gespeichert werden, um Beständigkeit und Sicherheit zu gewährleisten.

Als Browser-basiertes System gibt es einige Obergrenzen bei den kleineren drei Paketen in Sachen SKU-Anzahl, insgesamt erlaubter Stücklisten, Zeilen pro Arbeitsauftrag usw. Diese Grenzen stellen die Kapazitätsoptimierung des Servers sicher. Im Unlimited-Paket hingegen gibt es bei sämtlichen Funktionalitäten keine Begrenzungen.

Die Starter- und Professional-Pakete für MRPeasy sind für die ersten zehn Nutzer für 49$ und 69$ pro Nutzer pro Monat erhältlich. Das beliebteste Angebot ist die Enterprise-Version für 99$ pro Nutzer pro Monat. Außerdem gibt es ein zusätzliches Unlimited-Paket für 149$ pro Nutzer pro Monat, das die gleichen Features wie das Enterprise-Paket hat mit zusätzlicher API-Integrationsfähigkeit.  MRPeasys Preise gelten nur für die ersten zehn Nutzer, was bedeutet, dass zusätzliche Nutzer, die während der Entwicklung des Unternehmens dazukommen, die Durchschnittskosten pro Nutzer weiter senken.

Sage100cloud

Sage 100cloud bietet ein ERP-System für kleine Herstellungsunternehmen an, die Prozesse automatisieren müssen. Ihr ERP bringt sämtliche Funktionen mit, darunter Fertigung, Bestandsmanagement, Lagerhallenmanagement, Einkauf und Supply Chain, CRM und Buchhaltung und Finanzmanagement. Die Module können je nach Bedarf gekauft und angepasst werden, damit sich kleine Hersteller ein ERP-System individuell zusammenstellen können.

Die Sage100cloud-Plattform ist pro Nutzer höchst anpassbar und hat klare, dynamische und nutzerfreundliche Interface-Optionen. Es ist als Cloud-basierte oder als Vor-Ort-Variante verfügbar und kann ebenfalls als Hybrid betrieben werden.

Zu seinen Nachteilen zählt die langsame Reaktionszeit des Kundendiensts auf Bugfixes und Problem-Tickets, außerdem haben Nutzer sich über die Anzahl an Fenstern beschwert, die gleichzeitig auf seiner Plattform geöffnet werden können. Auch der Export von größeren Datenmengen kann sehr zeitaufwändig sein.

Sage100cloud gibt auf seiner Website zwar keine Preise an, allerdings haben Nachforschungen von Dritten ergeben, dass ihre Preise gestaffelt sind. Sämtliche Pakete haben die Anzahl der Nutzer als Kostengrundlage, wobei bei 1-5 Nutzern das Essential-Paket 50$ und das Complete-Paket 66,67$ pro Nutzer pro Monat kosten. Im Gegensatz zu MRPeasy berechnet Sage100cloud auch nach dem zehnten Nutzer noch weiter (ihr Complete-Paket für 25 Nutzer oder mehr kostet 53,33$ pro Nutzer pro Monat).

Syspro

Syspro bietet ERP-Funktionen, die ideal auf Kleinunternehmen abgestimmt sind. Das System ist modular und Unternehmen werden weitere Module zur Verfügung gestellt, wenn sie größer werden und skalieren. Die Plattform enthält gängige ERP-Funktionen, einschließlich Fertigungssteuerung, Bestandskontrolle und Finanzfunktionen. Syspro hat eine solide Planungsfunktion, mit der das System tatsächliche und geschätzte Arbeit abgleichen und verfolgen und Materialien und Ausschuss für aktuelle Arbeiten verwalten kann. Dies ist ein wertvolles Tool für kleinere Hersteller, bei denen die Materialkosten sich stark auf den Gewinn auswirken können. Das System hat zudem eine Engineering Change Control (ECC), die es möglich macht, verschiedene Produktiterationen präzise zu verfolgen.

Negativ zu bemerken ist, dass das System anfangs schwer zu bedienen ist und häufig angepasst werden muss, bis es für Unternehmen nützlich ist. Syspro bietet sowohl eine Cloud-basierte als auch eine Vor-Ort-Lösung an. Hauptsächlich wird das System von Wiederverkäufern vertrieben und kostest nach Installationskosten circa 199$ pro Nutzer pro Monat.

IQMS ERP

IQMS bietet Fertigungsoptionen, mit denen in Kleinunternehmen Fähigkeiten mit zusätzlichen Modellen hinzugefügt werden können. Seine Kernfunktionen umfassen Fertigungs- und Ressourcenplanung, Steuerung, Supply Chain, CRM, Einkauf und Buchhaltung. Das IQMS ERP-System verfügt zudem über Vendor Management Inventory (VMI) und eingebettete EDI-Funktionalität.

VMI ermöglicht es Unternehmen, Liefervereinbarungen mit Händlern zu treffen, und lässt Hersteller in ihrer Supply Chain JIT anwenden.

Das eingebettete EDI-Feature erzeugt eine reibungslose Automatisierung beim Einkauf, vom Bestellzeitpunkt über die Lieferung von Rohstoffen und Schlüsselkomponenten hinweg. Für Unternehmen, die schlanke Best Practices in ihrem Betrieb anwenden möchten oder mit einem knappen Budget in Bootstrapping-Operationen zurechtkommen müssen, sind diese Features absolut entscheidend.

IQMS hat jedoch auch einige Nachteile. Es liefert Bestandsanalysen und es gab einige Probleme mit Software-Bugs und eingeschränkter Funktionalität in einigen Modulen. Außerdem verbindet das System Arbeitsaufträge nicht mit Verkäufen, um eine reibungslose Kette zu erstellen. Das System ist sowohl Cloud-basiert als auch als Vor-Ort-Lösung erhältlich. Preislich kann es jährlich mehrere zehntausend Euro kosten.

Bedarfsbasierte Lösungen

Die Fertigung ist eine höchst umkämpfte und diverse Branche. Für Kleinunternehmen können Größe und Umfang andere Herausforderungen mit sich führen als für große Unternehmen. Dank der Agilität, Flexibilität und Erschwinglichkeit der ERP-Systeme von heute können sich jedoch auch kleine Unternehmen für eine Fertigungs-Software-Plattform entscheiden, die an ihre besonderen Bedürfnisse angepasst ist. Da sie die Bedürfnisse dieser kleinen Unternehmen beachten, können diese Anbieter ERP-Lösungen bereitstellen, die denen größerer Konkurrenten wie Microsoft Dynamics AX und Microsoft Dynamics NAV in nichts nachstehen.