Was ist Pipeline-Bestand?

Pipeline-Bestand besteht aus Gütern, die ein Unternehmen bestellt hat, welche aber noch nicht in seiner Einrichtung eingetroffen sind. Die Verwaltung dieser Bestandsart kann helfen, die Produktion oder Sendungen im Voraus zu planen, weniger bereitstehenden Bestand zu führen und Fehlmengen zu vermeiden.

Pipeline-Bestand

Was ist Pipeline-Bestand?

Pipeline-Bestand oder Transitbestand ist im Grunde genommen jeder Bestand, den ein Unternehmen von seinen Lieferanten oder Zwischenhändlern erwartet, der aber noch nicht in seiner Einrichtung eingetroffen ist. Dies schließt Güter ein, die sich bereits in Transit befinden, auf die Sendung warten oder noch vom Lieferanten hergestellt werden, sowie Artikel, die sich zwischen Lagern oder Produktionsstätten bewegen. Die Verfolgung des Pipeline-Bestands ist aus mehreren Gründen nützlich, da dadurch beispielsweise die Produktion oder Sendungen im Voraus geplant werden können, ohne dass die Güter physisch vorliegen müssen.

Im Bestandsmanagement wird Pipeline-Bestand als eine Art Bestandspuffer verwendet. Bestandspuffer sind ein Mittel zur Sicherstellung eines stabilen Betriebs- und Produktionsflusses, indem mehr Freiraum für die Verfügbarkeit von Lagerartikeln geschaffen wird. Das kann vor Schwankungen bei Angebot und Nachfrage schützen, Lieferstörungen bei Komponenten nichtig machen, Opportunitätsverluste verringern und viele andere Kennzahlen beeinflussen. Pipeline-Bestand wird als Puffer eingesetzt, wenn die Leadzeiten für Bauteile und Materialien sehr lang sind. Um Fehlmengen oder Überbestände zu vermeiden, können Produzenten mit einem guten Überblick über ihren Pipeline-Bestand diese Artikel in regelmäßigen Abständen bestellen, anstatt nur dann, wenn ein Produktionsauftrag eintrifft. So wird eine konstante Lagerversorgung sichergestellt und Leadzeiten erheblich verringert.

Mit einer richtig eingeführten Bestandsmanagement-Software lassen sich Artikel des Pipeline-Bestands neuen Produktionsaufträgen hinzubuchen, bevor sie in der Lagerhalle eintreffen. Diese beweglichen Teile zu berücksichtigen ist wichtig, um die Produktion am Laufen zu halten, wenn Bauteile lange Versandzeiten haben. Eine leistungsfähige MRP/ERP-Software ist normalerweise erforderlich, um im Transit befindliche Bauteile neuen Fertigungsaufträgen hinzuzubuchen, da sich diese Aufgabe selbst bei kleinen Produzenten als extrem komplex herausstellen kann.

Die Berechnung des Pipeline-Bestands

Für das Produktionsmanagement und zu Buchhaltungszwecken macht es sich bezahlt zu wissen, wie viel Bestand des Unternehmens sich in der Pipeline befindet und wie viel tatsächlich in der Pipeline gehalten werden soll. Eine simple Methode zur Schätzung des Pipeline-Bestands ist, die Leadzeit der Artikel mit ihrer erwarteten oder tatsächlichen Nachfragerate zu multiplizieren.

Pipeline-Bestand = Leadzeit x Nachfragerate

Wenn ein Bauteil beispielsweise eine Versandzeit von 20 Tagen hat und einen weiteren Tag montiert werden muss, sobald es in der Fertigungsstätte eintrifft, beträgt seine Leadzeit 21 Tage oder drei Wochen. Die Nachfragerate sollte als Anzahl der Einheiten pro Periode ausgedrückt werden. Angenommen, die Nachfragerate für das Produkt beträgt fünf Einheiten pro Woche. Um die Anzahl an Bauteilen zu bestimmen, die in der Pipeline gehalten werden sollen, wird die Leadzeit von drei (Wochen) mit der Nachfragerate von fünf multipliziert. Das sagt dem Unternehmen, dass es im Schnitt 15 Bauteile im Transit haben soll, um eine stabile Produktion und beständige Bestandsniveaus sicherzustellen. Wenn wir das Beispiel noch weiterführen und die Kosten von 100€ pro Bauteil einbeziehen, ist es möglich, den Wert des Pipeline-Bestands zu berechnen, der in diesem Beispiel 15 x 100€ = 1.500€ beträgt.

Die obige Methode ist ein hilfreicher Startpunkt für Planungszwecke, informiert jedoch nicht darüber, wann bestellt werden soll oder wie die aktuelle Lage in der Pipeline zu einem bestimmten Zeitpunkt aussieht. Sie macht es dennoch möglich abzuleiten, dass ein Unternehmen sofort 15 weitere Bauteile bestellen sollte, wenn es heute Bauteile für die nächsten drei Produktionswochen erhält – außer es kommt Sicherheitsbestand zum Einsatz. In manchen Fällen ergibt es Sinn, fünf Einheiten pro Woche zu bestellen, anstatt 15 alle drei Wochen. Es könnte auch Situationen geben, in denen konstanter Pipeline-Bestand überhaupt keinen Sinn ergibt und ein Unternehmen seinen Bestand besser für einen längeren Zeitraum mit nur einer Bestellung auffüllt.

Ein Weg herauszufinden, wie viel zu einem bestimmten Zeitpunkt bestellt werden sollte, ist die optimale Bestellmenge. Als theoretische Bestellmenge wird sie verwendet, um die Bestandskosten zu minimieren, indem sie das ideale Gleichgewicht zwischen Bestellkosten (wie Versand und Handling) und Bestandsführungskosten findet. Die optimale Bestellmenge kommt häufig in Situationen zum Einsatz, in denen die Nachfrage stabil ist und das Unternehmen seine Nachfragerate und Frachtkosten pro Einheit genau versteht. Das ist zum Beispiel bei vielen Lagerfertigern der Fall.

Die Vorteile von Pipeline-Bestand

Obwohl die meisten Produktionsunternehmen ohnehin zu jedem Zeitpunkt mindestens einige Artikel im Pipeline-Bestand haben, hat es viele gute Gründe, den Pipeline-Bestand richtig zu verwalten.

Zu den Hauptvorteilen, den Pipeline-Bestand zu überwachen, zählen:

  • Kürzere Leadzeiten und optimierter Workflow für Produkte, die Bauteile mit langen Versandzeiten haben
  • Bessere Schätzungen für die Kalkulation der Leadzeiten von Produktionsaufträgen
  • Präzisere Bestandsprognosen und Produktionsplanung
  • Ein tiefgründigeres Verständnis über Lieferkette, Versandrouten und Preise
  • Besser optimiertes Lieferkettenmanagement
  • Geringere Bestandsführungskosten für bereitstehenden Bestand

Abgesehen von kleinen Unternehmen, die ihren begrenzten Pipeline-Bestand noch manuell verfolgen können, wenden die meisten Firmen normalerweise eine spezielle oder integrierte Management-Software an, um ihren Pipeline-Bestand zu verwalten. Das könnte auf den ersten Blick zwar als zusätzliche Ausgabe gesehen werden, ist in den meisten Fällen jedoch unvermeidlich, da es so gut wie unmöglich ist, in der Produktionsbranche wettbewerbsfähig zu bleiben, ohne genaue Einblicke über den eigenen Bestand und dessen Bewegungen zu haben. Ein hoher Pipeline-Bestand kann auch gewisse Risiken nach sich ziehen, beispielsweise bei schnellen Marktschwankungen oder Lieferkettenstörungen. Dies lässt sich zu einem gewissen Grad beschränken, indem Zeit für strategisches Produktionsmanagement und Kapazitätsplanung investiert wird.

Andere Arten an Bestandspuffern

Während Pipeline-Bestand eine gute Möglichkeit ist, die Produktion reibungslos am Laufen zu halten, wenn Bauteile lange Lieferzeiten haben, ist er nicht die einzige Art an Bestandspuffer, mit dem die Produktion optimiert werden kann. Es gibt eine Reihe an Methoden im Bestandsmanagement, um Marktstörungen und Änderungen am Geschäftsvolumen sowohl auf Verkaufs- als auch auf Produktionsseite vorauszusehen, abzuwehren oder zu minimieren.

Eine der häufigeren Arten an Bestandspuffern am Vertriebsende ist der Sicherheitsbestand. Mit Sicherheitsbestand sind hauptsächlich fertige Produkte gemeint, die als Bestand geführt werden, um plötzliche Nachfrageanstiege decken zu können. Dies kann Ungewissheiten bei Bauteilelieferungen verringern sowie Opportunitätsverluste wegen Fehlmengen oder andere nicht-vorhersehbare Engpässe. Ähnlich wie der Sicherheitsbestand ist Spekulationsbestand eine weitere Art an Bestandspuffer, die sich durch zusätzlichen Bestand an fertigen Gütern auszeichnet, welcher in Situationen mit vorhergesehenen Nachfrageanstiegen (wie etwa eine kommende Feriensaison) angesammelt wird.

Ein etwas spezifischerer Puffer, der häufig in Fertigungsunternehmen eingesetzt wird, ist der Entkopplungsbestand. Der Entkopplungsbestand setzt sich aus Bauteilen und anderem Bestand zusammen, der an besonderen Entkopplungspunkten bereitgestellt wird, um Ausfälle oder Bottlenecks bei der Produktionslinie zu verhindern. Diese könnten auftreten wegen Lieferproblemen, Störungen bei Arbeitsstationen, Krankheiten von Arbeitern usw. Bei dieser Methode wird häufig zusätzlicher Bestand an halbfertigen Erzeugnissen auf Produktionsseite geschaffen.

Integration des Pipeline-Bestand mit MRP/ERP-Systemen

Früher waren für die Einführung von soliden MRP/ERP-Systeme gewaltige Zeit- und Ressourceninvestitionen nötig, weshalb sie meist nur größeren Produktionsunternehmen vorbehalten waren. Für viele kleine und mittelgroße Unternehmen hieß das also, auf Stift-und-Papier-Methoden zurückzugreifen, um den Überblick über ihren Pipeline-Bestand zu behalten. Heutzutage ist jedoch auch für KMUs leistungsfähige Fertigungsplanungssoftware zu erschwinglichen Preisen erhältlich. Mehr und mehr kleine und mittelgroße Produktionsunternehmen führen diese Lösungen deshalb bei sich ein, um ihre Produktionsprozesse zu modernisieren und ihre Workflows auf eine neue Effizienzstufe zu heben.

Die meisten MRP-Softwares haben vielseitige Funktionen fürs Bestandsmanagement und jeder Bestand lässt sich leicht in die Fertigungsprozesse integrieren, selbst wenn er sich noch in der Pipeline befindet. Einer der simpelsten Wege, im Transit befindlichen Bestand für bestehende und eingehende Fertigungsaufträge zu nutzen, ist ihn als erwarteten oder geplanten Bestand zu definieren. Sobald ein Auftrag gegeben wird, erkennt das MRP-System die eingehenden Artikel als erwarteten Bestand an. Wenn die Versandperiode und der Ankunftsort definiert sind, kann der im Transit befindliche Bestand für die anstehenden Fertigungsaufträge gebucht werden, mit automatisch kalkulierter Planung für Routing, Produktionsabschluss, Versand usw. Sobald der Bestand die Pipeline verlässt und in der Lagerhalle ankommt, wird die Produktion im Voraus geplant und die Arbeit kann effizient und zeitnah beginnen.

Die wichtigsten Schlüsselpunkte

  • Pipeline-Bestand oder Transitbestand ist im Grunde genommen jeder Bestand, den ein Unternehmen von seinen Lieferanten oder Zwischenhändlern erwartet, der aber noch nicht in seiner Einrichtung eingetroffen ist.
  • Pipeline-Bestand zu verwalten kann sehr nützlich sein, um die Leadzeiten von Produkten zu verringern, die lange Lieferzeiten haben, was wiederum die Bestandsführungskosten von bereitstehendem Bestand verringert.
  • Bei richtiger Verwaltung kann Pipeline-Bestand als Bestandspuffer fungieren und vor Schwankungen bei Angebot und Nachfrage schützen, Lieferstörungen von Bauteilen nichtig machen, Opportunitätsverlust verringern usw.
  • Solide und leistungsfähige MRP/ERP-Systeme sind normalerweise ein Muss für ein tiefgehendes Bestandsmanagement und um die Zeit bestmöglich zu nutzen, während des sich Bestand im Transit befindet.

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