Was ist die Mindestbestellmenge?

Die Mindestbestellmenge kann helfen, Kunden zu behalten, während Bestand verringert, Cashflow verbessert und Profitabilität erhöht werden.

mindestbestellmenge
Die Mindestbestellmenge ist die Minimalmenge an Produkten, die ein Unternehmen von seinen Kunden zu kaufen verlangt, um den Auftrag abzuwickeln und herzustellen.  

Die Fertigung ist in erster Linie ein Volumengeschäft. Zwar mag es einige Produktionsmodelle geben, die sich auf Projekt- oder Auftragsfertigung konzentrieren, allerdings verlassen sich die meisten Unternehmen auf Lagerfertigung oder Auftragsmontage und brauchen Volumen, um die Produktion zu rechtfertigen.

Das Volumengeschäft ist allerdings mit Tradeoffs verbunden. Aufgrund der Komplexität der Fertigung von Gütern in hohen Mengen, wird der Warenwert nach unten getrieben. Gleichzeitig gibt es eine Schwelle oder einen Boden, ab dem es nicht länger kosteneffektiv ist, diese Güter weiter zu produzieren, ohne das letzte Bisschen Gewinnmarge aufzufressen. Einrichtungs- und Umrüstungszeiten können die Effizienz bei kleineren Losgrößen untergraben. Hinzu kommt, dass Ihre Lieferanten für Materialien Minimalmengen von Ihrem Unternehmen benötigen könnten, wodurch Ihr Unternehmen über einen gewissen Punkt hinaus in negative Margen geraten könnte.

Hier ist ein Artikel über den Lagerfertigungsfluss und optimale Vorgehensweisen

Was ist die Mindestbestellmenge?

Die Mindestbestellmenge ist oftmals die Lösung, Aufträge über diesem „Boden“ zu halten. Sie ist die minimale Produktmenge, die ein Unternehmen von seinen Kunden zu kaufen verlangt, um den Auftrag zu verarbeiten und herzustellen. Sie hilft, den Cashflow zu managen und minimiert den negativen Einfluss kleiner Aufträge in einem Volumenfertigungsbetrieb.

Wie funktioniert die Mindestbestellmenge?

Die Mindestbestellmenge wird vom Hersteller definiert. Sie könnte der „Break-Even-Punkt“ sein plus ein kleiner Gewinnprozentsatz, um die fertigen Güter zu produzieren. Sie könnte auch von den Anforderungen bestimmt werden, die einem Hersteller von seinen Lieferanten auferlegt werden, die ebenfalls eine Mindestbestellmenge brauchen.

Bei anderen Unternehmen könnte sie auf dem Verkaufsauftragswert basieren, um die Verkäufe und Aufwendungen für den Kundenservice zu rechtfertigen. Und bei größeren Herstellern ist sie oft nur eine zweckmäßige Zahl, da diese aufgrund bestehender Volumenkäufer keinen bestimmten Punkt überschreiten müssen.

Es gibt zwar keine genaue Formel, allerdings suchen Unternehmen allgemein nach dem niedrigsten Produktionsvolumen für ein fertiges Produkt, bei dem sie die aktuellen Effizienzgrade noch einhalten können. Sie könnte auch von produktspezifischen Problemen beeinflusst werden, wenn eine kleine Losgröße bei einem kleinen Produktionslauf nicht nach Spezifikation verläuft und somit eine Menge Ausschuss entsteht. Außerdem muss sie den Wert und die Lagerkosten von Rohstoffen berücksichtigen.

Sobald dies festgelegt ist, können Unternehmen den Grad der Marge bestimmen, den sie abtreten werden, um den Auftrag zu übernehmen, ohne zu weit zu gehen und Verlust zu machen. Im Gegensatz zur bestands- und finanzgetriebenen optimalen Bestellmenge ist die Mindestbestellmenge auf Verkauf und Kunden ausgerichtet.

Die Vorteile der Mindestbestellmenge

Die Anwendung der Mindestbestellmenge bringt viele Vorteile für Ihre Fertigungsverkäufe. Zu diesen zählen:

  • Gesünderer Cashflow – Durch die Einführung einer Mindestbestellmenge können Unternehmen ihren Cashflow verbessern oder zumindest aufrechterhalten. Wie bereits erwähnt, die Lieferanten eines Herstellers haben oft ihre eigenen Minima und Mindestbestellmengen müssen das Gleichgewicht zwischen ihnen und dem, was seine Kunden noch akzeptieren, finden. Durch die Festlegung einer Mindestbestellmenge kann ein Hersteller sicherstellen, dass er kein wertvolles Kapital in großen Mengen an Rohstoffen bindet, während er langsam fertige Güter in kleinen Mengen verkauft.
  • Niedrigerer Bestand – Da die meisten Hersteller mehr als nur ein Produkt oder eine Produktkategorie herstellen, kann eine sorgfältig ausgearbeitete Mindestbestellmenge helfen, den Bestand zu verringern. Mit einer niedrigeren Mindestbestellmenge können Unternehmen weniger fertige Güter und Rohstoffe halten. Dies verringert Bestandsniveau und -kosten und macht Kapital frei.
  • Geringere Frachtkosten – Der Versand fertiger Güter ist zwar oft erstattungsfähig, allerdings könnten häufige Bestellungen von Rohstoffen zu höheren Frachtkosten führen. Es könnte besonderes Handling nötig sein oder alternative Transportformen oder Beschleunigungen. Falls die Mindestbestellmenge an einem optimalen Punkt festgelegt ist, können die Frachtkosten verringert und dennoch gleichzeitig die besten Versandpreise von Lieferanten in Anspruch genommen werden.
  • Mehr Gewinn – Die Mindestbestellmenge ist an die Nachfrage gebunden. Das bedeutet, dass ein Unternehmen selbst bei einer relativ niedrigen Mindestbestellmenge weiß, dass die Produktion innerhalb des Produktionszyklus in höheren Mengen stattfindet. Dies erfordert ein Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Bestandshaltungskosten, damit der niedrigstmögliche machbare Preis bei kleineren Losgrößen angeboten werden kann. Wenn dieses Gleichgewicht gefunden wird und dann anhand bekannter Nachfrage und Prognosen größere Mengen innerhalb des Zyklus produziert werden, kann ein Unternehmen immer noch höheren Gewinn sicherstellen und gleichzeitig Kunden zufriedenstellen, die sich niedrigere Kaufminima wünschen.

Optimale Vorgehensweisen für Festlegung und Anwendung der Mindestbestellmenge

Es ist wichtig sich zu merken, dass bei der Bestimmung der Mindestbestellmenge die Art der verkauften Ware eine Rolle spielt. Einige Waren sind komplexer herzustellen, andere wiederum simpler und relativ günstig. Unabhängig vom verkauften Produkt gibt es in der modernen Fertigung viele sich bewegende Teile. Hier sind einige der optimalen Vorgehensweisen für die Festlegung einer Mindestbestellmenge:

  1. Mindestbestellmenge für hohe Produktionskosten – Einige fertige Güter benötigen sehr teure Materialien, wie etwa einzigartige Chemikalien oder Edelmetalle. Andere brauchen gut ausgebildetes Personal. Falls die Arbeitskosten, die Materialkosten oder beides sehr hoch sind, sollte die Mindestbestellmenge höher festgelegt werden.
  2. Mindestbestellmenge für geringere Produktionskosten – Aufgrund der Ausbreitung und des Fortschritts hochschneller Produktionsausrüstung werden mittlerweile viele fertige Güter kommodifiziert – sie sind demnach leichter pro Kilogramm oder Einheit zu verkaufen als einzeln. Falls fertige Güter leichter und simpler zu produzieren sind oder nur ungelerntes Personal bedürfen, was die Arbeitskosten reduziert, ist es machbar, die Mindestbestellmenge niedriger anzusetzen.
  3. Aggressive Lieferantenverhandlung – Wenngleich Lieferanten ihre eigenen Mindestbestellmengen haben könnten, sorgt die Wirklichkeit der globalen Wirtschaft und langer Lieferketten dafür, dass diese Lieferanten dem gleichen Druck unterliegen wie der Hersteller. Falls die Mindestbestellmengen zu hoch sind, könnte eine Lieferantenbeziehung für bessere Bedingungen offen sein, was zur Folge hat, dass sie ihre eigenen Minima senken. Es könnte auch bedeuten, dass es von Vorteil sein könnte, leicht höhere Preise von neuen Lieferanten zu akzeptieren, die markant niedrigere Mindestbestellmengen haben, da der Hersteller durch die dadurch erzielten niedrigeren Bestandsniveaus seine Bestands- und Lagerkosten senken kann.
  4. Automatisierung – Heutzutage sind Automatisierungen in ERP– und MRP-Plattformen als Kernfunktion integriert. Wenngleich das Abwägen der Anforderungen für die Mindestbestellmenge per Hand durchgeführt werden können, machen es diese Plattformen Entscheidungsfindern dank ihrer Funktionen und verbesserten Analysen deutlich leichter und präziser, Mindestbestellmengen zu bestimmen. Normalerweise kann diese Mindestbestellmengenfunktion am Ort des Kaufs für das Lieferantenmanagement sowie für fertige Güter basierend auf Echtzeitdaten angewendet werden. Durch Automatisierung arbeitet das System schneller, präziser und mit besseren Ergebnissen, wodurch Manager mehr Zeit für schwierigere Aufgaben haben und bessere Unternehmensentscheidungen zu treffen.

Zwar möchte jeder Hersteller so viel wie möglich verkaufen, allerdings kann die Mindestbestellmenge helfen, Kunden zu behalten, während Bestand verringert, Cashflow verbessert und Profitabilität erhöht werden.