Stückliste – Ein essenzieller Leitfaden für Produktionsunternehmen

Unabhängig von der Größe des Herstellungsunternehmens ist eine Stückliste entscheidend für die Produktion. Unternehmen aus aller Welt nutzen sie als Leitfaden und Einkaufsliste für ihre Endprodukte, wonach sie mit vielen Unternehmensbereichen eng verbunden ist, wie Produktion, Wartung, Steuerung, Beschaffung und mehr.

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Was ist eine Stückliste?

Eine Stückliste ist eine Struktur, um ein Produkt jedes Mal auf die gleiche Weise wiederholt herstellen zu können. Sie enthält die Liste an Materialien, Baugruppen, Unterbaugruppen, Formeln, Mischungen und anderen Bauteilen, die in jedes Endprodukt einfließen.

Eine Stückliste enthält die Menge oder das Volumen eines jeden verwendeten Artikels und könnte außerdem Informationen anführen wie Kosten, Leadzeit, Verschwendungsfaktoren und andere Arbeitszentrumsdaten, die für die Produktion des fertigen Artikels erforderlich sind.

Man könnte schnell annehmen, dass kleinere Produktionsbetriebe keine strukturierten und gut ausgearbeiteten Stücklisten brauchen, weil sie sich aufgrund ihrer geringen Größe und des kleinen Produktportfolios all ihrer benötigten Materialien und Teile bestens bewusst seien.

Außerdem könnte man schnell annehmen, dass Stücklisten bei simplen Produkten mit nur wenigen Komponenten (oder gar nur einer Komponente) nicht nötig seien.

Beide dieser Annahmen sind jedoch falsch.

Stücklisten sind der Leitfaden und das Rezept des Unternehmens, seine Produkte zu fertigen. Keine oder ungenaue Stücklisten zu haben, kann zu Verschwendung, Ineffizienzen und Fehlern führen.

Das bedeutet auch, dass Sie anstelle von systematisierten Daten für die effizientesten Prozesse, die an zukünftige Mitarbeiter weitergegeben werden können, wenn das Unternehmen wächst oder wenn Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, mit fragmentiertem Wissen dastehen würden, das auf mehrere Mitarbeiter oder Softwaresysteme verteilt ist und dem Unternehmen so die Wiederholbarkeit kostet.

Stücklisten sind auch ein wichtiger Teil des allgemeinen Produktionsprozesses. Wenn ein Unternehmen Prozessoptimierungen vornehmen und dadurch neue Methoden und Arbeitsweisen aufdecken möchte, wird eine genaue Stückliste gebraucht, damit jeder Mitarbeiter weiß, was das Produkt in welcher Reihenfolge erfordert. Ohne Stückliste, ist das Prozessoptimierungspotenzial eingeschränkt.

Es wird ebenfalls empfohlen, für die Erstellung und Verwaltung von Stücklisten eine Stücklistensoftware zu verwenden.

Stücklisten-Typen

Es gibt mehrere funktionale Stücklisten-Typen. Zu ihnen zählen: 1. Konstruktionsstückliste

Die Konstruktionsstückliste wird für die Erstellung eines neuen fertigen Produkts eingesetzt. Sie ist der Ursprung für ein fertiges Produkt und führt alle Teile, Komponenten und Materialien für das fertige Produkt auf, wie es ursprünglich entwickelt wurde.

Die Konstruktionsstückliste wird auch von Planern, Einkäufern und Finanzmitarbeitern verwendet, um Beschaffungen von Materialien von bestehenden Lieferanten auszulösen oder Lieferanten für neue Materialien zu finden. Sie können zudem Zeichnungen für neue Teile enthalten, die dann zum Standard in der Fertigungsstückliste werden.

Ein Beispiel für eine Konstruktionsstückliste wäre ein Unternehmen, das mit 3D-gedruckten Teilen oder einer revolutionären Antriebstechnologie einen neuen Roller produziert. Die Konstruktionsstückliste würde eine detaillierte Liste aller Teile enthalten, um das neue Produkt auf den Markt zu bringen.

2. Fertigungsstückliste

Eine Fertigungsstückliste ist die bekannteste Stücklistenform, die alle Materialien, Baugruppen, Formeln oder Bauteile enthält, um ein versendbares Produkt herzustellen. Dieser Stücklisten-Typ könnte auch an die erforderlichen Prozesse gebunden sein, die während der Produktion stattfinden sollen.

Auch sie wird von Planern und Steuerern zur Kalkulation von Beschaffungsanforderungen verwendet und von betriebenen MRPs oder ERPs gebraucht, die automatisierte Software nutzen, um MRP-Funktionen, Stücklisten, Beschaffung und andere produktionsbezogene Tätigkeiten in ein einziges System zu integrieren. Da sie außerdem Zeitfaktoren enthält, wie Leadzeit und Produktionszeit, hilft sie Materialplanern beim Bestimmen des Bestellzeitpunkts und Produktionsplanern beim Bestimmen des Produktionszeitpunkts eines bestimmten Artikels.

Ein Beispiel für eine Fertigungsstückliste wäre eine Jeans. Die Stückliste enthält die Stoffart, die Gewebekonfiguration, den Schnitt und Nähanleitungen sowie Etikettierungsanweisungen, wonach sie für denselben Jeans-Typ in großen wie kleinen Produktionsvolumen wiederholt genutzt werden kann.

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Das ist ein einfaches Beispiel, wie eine Stückliste in einem Möbelproduktionsunternehmen aussehen könnte.

3. Komplex-Stückliste

Wie eine Fertigungsstückliste ist auch eine Komplex-Stückliste (oder Matrix-Stückliste bzw. Stückliste mit Parametern) ein Leitfaden für die Produktion eines fertigen Produkts. Viele Unternehmen produzieren jedoch das gleiche Produkt in mehreren Größen, Farben oder anderen Parametern. Manche Hersteller produzieren außerdem die gleichen Güter für verschiedene Marken im Rahmen einer White Label Vereinbarung.

Das bedeutet, dass das Kernprodukt und der Großteil der Herstellung gleich sind, sich die endgültige Version aber je nach Kunde leicht unterscheiden kann. Beispielsweise könnte eine andere Verpackung, ein anderes Volumen, eine andere Stückzahl, ein anderes Branding oder eine andere Prägung oder andere Unterschiede verwendet werden, um das Produkt an die jeweiligen Kundenbedürfnisse anzupassen. Das Kernprodukt ist jedoch dasselbe.

Ein Beispiel für eine Komplex-Stückliste wäre ein Unternehmen, das Apfelmus herstellt. Eine einzige Formel würde hierbei den Großteil der Stückliste ausmachen, während das finale Rezept des einen Kunden 120ml in einer Behälterart mit bedruckter Verpackung erfordert und die Branding- und Volumenanforderungen eines anderen Kunden 175ml.

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Eine Stückliste mit Parametern ermöglicht die leichte Verwaltung von Produkten mit verschiedenen Größen, Farben usw.

Es gibt außerdem zwei Arten operativer Unterschiede bei Stücklisten. Diese zwei Arten schließen sich jedoch nicht gegenseitig aus und es könnten innerhalb desselben Unternehmens beide von unterschiedlichen Abteilungen herangezogen werden. 1. Baukastenstückliste

Das ist die übergeordnete Stückliste, die alle erforderlichen Materialien zur Fertigung eines Produkts auflistet. Falls es Unterbaugruppen, Mischungen oder andere erforderliche Komponenten zur Produktion dieser Materialien gab, werden diese jedoch nicht aufgeführt – es ist nur das fertige Bauteil für die finale Produktion enthalten.

Baukastenstücklisten könnten als alleiniger Leitfaden in Unternehmen verwendet werden, die simple Produkte mit nur wenigen Bauteilen oder ohne vorgelagerte Unterverarbeitungen herstellen.

Ein Beispiel, in dem eine Baukastenstückliste geeignet wäre, wäre eine Fabrik, die Kleiderbügel aus Draht herstellt. Da Draht das einzige Bauteil ist, bietet sich eine Baukastenstückliste an.

2. Strukturstückliste

Wie eine Baukastenstückliste auch, enthält eine Strukturstückliste Materialien und Mengen für die Produktion eines fertigen Produkts. Bei komplexeren Produkten könnte eine Strukturstückliste jedoch mehrere Unterebenen haben, die in die übergeordnete Stückliste eingehen.

In Strukturstücklisten fungiert die oberste Ebene als „Parent“-Element und die zweite Ebene bzw. ein oder mehrere Bauteile, die gemischt oder montiert werden, als „Child“. Dieser Prozess kann für dritte, vierte und noch weitere Ebenen wiederholt werden, wobei das Produktionsunternehmen ausreichend vertikal integriert sein könnte, seine eigenen Unterbaugruppen oder Formulierungen zu produzieren, die dann der nächsthöheren Stufe beigefügt werden.

Informationen wie Kosten, Leadzeit, Arbeitsprozesse usw. könnten bis auf die unterste Stufe aufaddiert werden. Diese Daten können dann in Automatisierungssoftwares wie MRP- oder ERP-Produktionssoftware integriert werden, um Beschaffung, Arbeit, Zeitpläne und andere operative Tätigkeiten zu automatisieren.

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Komplexe Produkte wie Elektronikartikel bestehen aus mehreren Unterbaugruppen und brauchen demnach eine Strukturstückliste

Die Vorteile einer effektiven Stückliste

Eine Stückliste ist ein definitiver Leitfaden für die Herstellung eines fertigen Produkts. Ohne Stücklisten könnte ein Unternehmen eine Vielzahl an Problemen riskieren, die durch die Erstellung einer effektiven und gut ausgearbeiteten Stückliste vermieden werden könnten. Zu den Vorteilen einer Stückliste zählen:

  • Beschaffung – Planer können eine Stückliste verwenden, um Beschaffungen in den richtigen Mengen vorzunehmen. Da Stücklisten häufig Prozessschritte enthalten, können sie auch die Ankunft der Güter planen, um falls möglich auf eine Just-in-Time Lieferung hinzuarbeiten.
  • Kostenrechnung – Stücklisten sind entscheidend für präzise Kalkulationen fertiger Güter. Falls die Stückliste tatsächlich eine Strukturstückliste ist und vollständig und genau kalkuliert wurde, wird auch die Wareneinsatz-Kalkulation stimmen. Das wiederum wirkt sich aus auf Margen, Gewinn und sogar die Besteuerung.
  • Bestand – Wenn Sie eine genaue Stückliste verwenden und Ihre Beschaffungen in den richtigen Mengen vornehmen, können Sie Ihren Bestand besser kontrollieren. Das bedeutet nicht nur die Ausmerzung oder Verringerung von Ausfallzeiten und Fehlmengen, sondern auch eine Verringerung von Überbestand und mit ihm verbundenen Bestandsführungskosten.
  • Prozessoptimierung – Stücklisten sind systematisierte Leitlinien für die Produktion fertiger Güter. Das liefert die Basis für die Produktion, Arbeitsflüsse und -zentren besser zu planen. Durch die genaue Planung dieser entscheidenden Funktionen kann eine Stückliste eine gute Anleitung sein, Prozessoptimierungen zu realisieren, die Effizienz und Rentabilität verbessern können.
  • Weniger Verschwendung – Da alle Bauteilebenen hinsichtlich Menge und Volumen genau gemessen werden, kann auch Verschwendung und Ausschuss besser kontrolliert werden. Selbst die kleinsten volumentechnischen Kalkulationsfehler können unnötige Verschwendung in einem Betrieb mit hohem Volumen auslösen. Eine genaue Stückliste kann nur den normal im Prozess entstehenden Ausschuss messen, ohne die Zahl aufgrund von Ungenauigkeiten zu verzerren.

Wer erstellt Stücklisten?

Die Erstellung von Stücklisten kann sich von Unternehmen zu Unternehmen oder Branche zu Branche unterscheiden. In Unternehmen mit sehr technischen Produkten könnten sich technische Designer oder Produktdesigner darum kümmern. Bei vielen Auftragsfertigern könnten das hingegen Techniker oder Industrietechniker übernehmen. Stücklisten können außerdem von Personen aus administrativen Funktionsbereichen erstellt werden, wie Einkäufern, Planern oder Steuerern, vorausgesetzt die Person, die die Daten einträgt, verfügt über die nötigen Daten für maximale Genauigkeit.

Was muss eine Stückliste enthalten?

Eine effektive und genaue Stückliste braucht bestimmte Informationen. Das gilt für alle Stücklisten, doch insbesondere für jene, die an MRP/ERP-Software gebunden sind. Ohne präzise, detaillierte Daten könnten die unteren Ebenen der Stückliste nicht korrekt oder genau mit der Einzelebene übereinstimmen. Fehlende Daten könnten sich außerdem negativ auf die Fähigkeiten der Software auswirken und ihre Vorteile einschränken.

Alle Stücklisten sollten folgendes enthalten:

  • Stücklistenebene – Das ist das Rahmenwerk für eine Strukturstückliste. Durch Zuteilung einer Stücklistenebene kann die Stückliste „explodiert“ werden, um alle relevanten Teile auf allen Ebenen einzusehen, darunter Kosten, Leadzeit und Produktionszeit.
  • Teilenummer – Jedes Teil in einem fertigen Produkt sollte eine Teilenummer haben. Teilenummern lassen sich für Referenzzwecke und die Bestellung von Nachschub einsetzen. Es gibt mehrere Methoden, wie Sie Teilenummern vergeben können.
    • Intelligent – Intelligente Teilenummern haben eine Bedeutung, sprich bestimmte Zahlen an bestimmten Stellen können das Produktionsdatum oder den Produktionsmonat angeben. Sie könnten auch eine Alpha-Bezeichnung bedeuten, wie etwa eine teilweise Beschreibung des Teils (z.B. MTR für Motor).
  • Teilename – Da Teile in der Fertigung zum Alltag werden, werden viele Fertigungsmitarbeiter mit ihrem gängigen Namen vertraut. Teilenamen helfen Mitarbeitern, sich während der Produktion auf ein bestimmtes Teil zu beziehen.
  • Beschreibung – Wie ein Teilename kann auch eine aussagekräftige Beschreibung helfen, Teile von ähnlichen Artikeln zu identifizieren und zu unterscheiden.
  • Beschaffungsart – Die Beschaffungsart sagt dem Einkauf und der Planung, wie das Bauteil gefertigt wird. Sie könnte beschreiben, dass es ein gekauftes Teil ist und vor dem Einbau ins fertige Produkt nicht weiter montiert werden muss. Sie könnte außerdem Artikel beschreiben, die nach bestimmten Spezifikationen gefertigt werden oder die auf eine gewisse Weise verändert werden müssen (wie getrocknet oder gekocht).
  • Menge – Die Menge ist die Anzahl eines jeden Artikels, der bei der Produktion eines einzigen fertigen Produkts zum Einsatz kommt.
  • Maßeinheit – Es gibt viele Maßeinheiten, je nach hergestelltem Produkt. Sie könnten Gewichteinheiten (wie Kilogramm), Volumen (wie Liter) und Fläche (wie Quadratmeter) oder einfach nur Stück umfassen. Die Maßeinheit hilft zusammen mit Menge und Leadzeit die benötigten Materialmengen zu bestimmen und wann sie bestellt werden sollten.
  • Referenzdesignator – Einige Produkte wie gedruckte Leiterplatten brauchen Referenzdesigns.
  • Stücklistennotizen – Stücklistennotizen liefern weitere relevante Informationen über das Produkt.
  • Phase – Viele Produkte haben einen Lebenszyklus. Durch Aufteilung der Teile in ihrem jeweiligen Lebenszyklus lässt sich das Änderungsmanagement leichter durchführen. Einige Beispiele wären „In Produktion“, „Im Design“, oder „Nicht veröffentlicht“. So können Änderungen verfolgt werden, sobald sie im Lebenszyklus des Produkts auftreten. Ein Haushaltsgerät könnte beispielsweise seinen Lebenszyklus mit Metallbürsten begonnen haben. Die Änderung auf Keramikbürsten zur Verbesserung der Leistung könnte jedoch auf dem Weg sein, wobei diese Teile aktuell die Designation tragen, in welcher Entwicklungsphase sie sich befinden.
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Eine genaue und aussagekräftige Stückliste ist das Kernstück einer effizienten Produktion.

Tipps für die Erstellung einer effektiven Stückliste

Eine effektive Stückliste systematisiert viele Aufgaben, um Genauigkeit und Effizienz zu erhöhen. Ohne Stücklisten müssten sich Fertigungsbetriebe Notlösungen einfallen lassen, um wertvolle produktions- und montagebezogene Daten zu bestimmen. Eine präzise und effektive Stückliste optimiert den Produktionsprozess, indem sie eine Landkarte oder ein Rezept für jedes fertige Produkt gibt und dadurch wertvolle Stunden und Verwaltungszeit für den eigentlichen Produktionsprozess freimacht.

Hier sind einige Tipps, wie Sie eine effektive Stückliste erstellen können:

  1. Daten im Vorfeld eintragen – Der beste Zeitpunkt für die Erstellung einer Stückliste ist am Beginn des Produktlebenszyklus. Falls es eine bestehende Konstruktionsstückliste gibt, können Sie diese „wie gesehen“ verwenden, um die Fertigungsstückliste zu erstellen. Einige ERP- und MRP-Softwares ermöglichen die Migration elektronischer Dateien, um Stücklistendaten ganz oder teilweise zu bevölkern. Egal, ob Sie eine bestehende Konstruktionsstückliste verwenden oder CAD-Zeichnungen und andere Daten – die Daten im Vornherein einzutragen wird Ihnen helfen, die Genauigkeit Ihrer Stückliste sicherzustellen.
  2. Einen Änderungsmanagementprozess formulieren – Ein fehlendes formalisiertes Änderungsmanagement ist genauso schlecht wie überhaupt keine Stücklisten zu haben und könnte zu Verzögerungen, Qualitätsfehlern, Materialmängeln und anderen Problemen führen. Eine Stückliste ist kein statisches Dokument. Sie ist dynamisch und verändert sich im Laufe der Jahre. Wenn Sie das Änderungsmanagement berücksichtigen, können Sie über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts hinweg die Genauigkeit bewahren. Diese Änderungen können Dinge wie Preisveränderungen, Zeichnungsüberarbeitungen, Teileersatz, Verpackungsänderungen, Lieferantenwechsel (die häufig ihre eigenen Validierungen und Loskontrollen erfordern) und mehr umfassen.
  3. Berücksichtigen, wer die Stückliste nutzt – Je mehr Details in der Stückliste sind, desto besser. Wenn Sie verstehen, wer in Ihrem Betrieb die Stückliste nutzen wird, können Sie die richtigen Entscheidungen hinsichtlich Menge und Tiefe der enthaltenen Daten treffen. Viele Personen, die auf die Stückliste für ihr Tagesgeschäft zugreifen, kennen einander gar nicht und arbeiten möglicherweise sogar in anderen Einrichtungen.
  4. Die “kleinen” Dinge planen – Kleine Dinge können bei der Genauigkeit von Stücklisten einen großen Unterschied machen. Ein Beispiel wären Verbrauchsgüter. Obwohl nur wenige sich den Aufwand machen möchten, Kleber, Bänder, Etiketten und Folien in ihre Stücklisten aufzunehmen, haben sich schon unzählige Lieferungen wegen dieser unscheinbaren Komponenten verzögert. Es mag zwar lästig erscheinen, Zeit fürs Messen und Kalkulieren von kleinen Mengen von etwas wie Kleber aufzuwenden, allerdings ist das entscheidend für die Vollständigkeit einer Stückliste.
  5. Den Zugriff auf die Stückliste formalisieren – Den meisten Mitarbeiter eines Fertigungsunternehmens reicht ein “Nur-Lesen”-Zugang, mit dem sie sich eine Stückliste auf dem Bildschirm oder in gedruckter Form anzeigen lassen können. Die Formalisierung des Prozesses, wer Zugriff auf die Stückliste hat, kann Verwirrung und Fehler einschränken. Wenn die Stückliste Teil einer automatisierten MRP/ERP-Software ist, können Änderungen an ihr auf der Grundlage von Berechtigungen erfolgen, sprich die Einkäufer können nur die Kosten ändern und die Techniker können nur Teile ersetzen. Und in einigen kleineren und mittelgroßen Unternehmen ist es nicht unüblich, eine oder zwei Personen damit zu beauftragen, alle Änderungen vorzunehmen, sobald sie anfallen, wodurch proaktiv auditiert werden kann, bevor die Änderung tatsächlich erfolgt. Unabhängig von der Methode wird die Formalisierung des “Nur-Lese”- und des Änderungszugangs dazu beitragen, Fehler zu minimieren.
  6. Den Auditprozess formalisieren – Da es sich bei einer Stückliste um ein dynamisches Dokument handelt, sollten Sie einen formellen Auditprozess festlegen. Bei einigen Erzeugnissen, die im Laufe ihres Lebenszyklus viele Änderungen erfahren haben, können sich Ungenauigkeiten summieren, was zu minderwertigen Produkten führt. Der Auditprozess kann nach Fehlern suchen, wie z. B. Änderungen der Maßeinheit (wie Wechsel von einem Lieferanten, der in Gallonen verkauft, zu einem, der in Litern verkauft), Austausch von Teilen, Zeichnungs- und Iterationsänderungen, Kostenänderungen, neue Prozessschritte im Zusammenhang mit neuen OEM-Anlagen in der Produktion und mehr. Es ist wichtig, die Stücklisten nach einem festen Zeitplan zu auditieren, die Änderungen gegebenenfalls zu vermerken, Fehler zu korrigieren, sobald sie erkannt werden, und die Änderungen zu dokumentieren, die während des Audits erforderlich waren.

Fazit

Eine gut ausgearbeitete Stückliste ist für jedes Produktionsunternehmen entscheidend, unabhängig von seiner Größe oder Produktkomplexität. Stücklisten können theoretisch zwar manuell erstellt werden, allerdings bringen viele MRP- und ERP-Softwares und Automatisierungssysteme diese Funktion mit. So können Unternehmen ihre Stücklisten anpassen und in ihre Planung, Finanzen, Wartung und mehr einbinden.

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