Stock Keeping Unit (SKU) – Die Best Practices zur Bestandsklassifizierung

Bei der Verwaltung Ihrer SKUs lohnt es sich definitiv, einigen bewährten Verfahren zu folgen. Hier ist ein Überblick einiger der Best Practices.

Stock Keeping Unit, kurz SKU, ist ein Begriff aus dem Bestandsmanagement, bei dem es sich um eine bestimmte Artikelart für den Vertrieb handelt. Eine SKU kann ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Mischung aus beidem sein. Weiterhin muss eine SKU einzigartig sein, was bedeutet, dass zwei unterschiedliche SKUs immer ein relevantes Attribut haben, durch das sie sich voneinander unterscheiden.

Dieses Attribut kann eine beliebige Variable sein, wie Farbe, Größe, Gewicht, Material usw. Eine SKU kann außerdem materiell oder immateriell sein.

  • Materiell: Eine materielle SKU ist ein physisches Produkt, das sich berühren lässt. Ein typisches Beispiel für materielle Güter sind sämtlich Artikel in Ihren Lagerhallen, wie etwa Autos, Bücher, Milch oder Gase, deren Mengen Sie direkt zählen können.
  • Immateriell: Eine immaterielle SKU ist ein Produkt, das sich nur indirekt wahrnehmen lässt, und es gibt keine Möglichkeit, seinen Lagerbestand zu zählen. Das ist beispielsweise bei E-Books, Versicherungen oder Software zum Herunterladen der Fall. Weiterhin ist es wichtig zu wissen, dass Sie nur die Anzahl an Verkäufen erfassen können, nicht aber das Bestandsniveau.

Laden Sie sich einen kostenlosen SKU-Generator herunter.

Bei der Verwaltung Ihrer SKUs wird empfohlen, bewährten Verfahrensweisen zu folgen. Betrachten wir uns also einige der Best Practices, mit denen Sie den optimalen Einsatz Ihres Bestands sicherstellen können:

1. Klassifikation Ihrer Bestände nach Wichtigkeit

Kategorisieren Sie Ihre Bestände gemäß des Pareto-Prinzips. Dieses Prinzip besagt, dass 20% Ihres Bestands 80% des gesamten Bestandswerts ausmachen, die restlichen 80% Bestand hingegen nur 20%. Denken Sie immer daran, Ihren Bestand in die Kategorien A, B und C einzuteilen, wenn Sie sich auf Lagerwerte oder Warenumschlag beziehen. Diese Klassifizierung hilft Ihnen:

  • Ihr Lagerlayout zu organisieren
  • Sich auf die SKUs zu konzentrieren, die stärker oder weniger stark kontrolliert werden müssen
  • Mit angemessenen Systemen für Audits und Kontrollen fortzuschreiten

2. Einführung eines beständigen alphanumerischen Code-Systems

Jede SKU ist einzigartig und spezifisch. Vermeiden Sie seltsame Symbole, Akzente oder Buchstaben, die sich nur in einer bestimmten Sprache verwenden lassen. Merken Sie sich, dass das Codesystem intrinsische Eigenschaften liefern muss, also nur die SKU beschreiben und nichts über Standort, Produktionsschicht oder andere extrinsische Variablen aufweisen sollte. Wenn Sie verschiedene Lagerhallen oder Verteilungszentren verwalten, stellen Sie sicher, dass die SKU überall gleich ist. Sie könnten Ihren Bestand eines Tages an einen anderen Standort bringen oder ein Zentrum schließen, doch so behalten die Artikel in jedem Fall dieselben Attribute.

Bedenken Sie immer den gesonderten Fall Ihres Unternehmens. Für ein Schuhgeschäft könnten Farben im Kodierungssystem nötig sein, doch beim Vertrieb von elektrischen Relais wäre dies vollkommen irrelevant.

Denken Sie daran, ein SKU-Codesystem anzuwenden, das den wichtigsten Attributen der Artikel folgt. Reduzieren Sie die Anzahl an Zahlen so weit wie möglich und behalten Sie die gleiche Anzahl an Ziffern bei all Ihre SKUs bei, insofern das möglich ist. Nutzen Sie ein Pyramidensystem mit alphanumerischen Zahlen und Ziffern, die von allgemein zu spezifisch verlaufen. Nutzern ist auch geholfen, wenn Sie SKUs sofort erkennen – ein Sportvertriebszentrum könnte beispielsweise den Code TLB40DE-123 verwenden, um folgendes zu definieren:

  • T: Turnschuhe
  • L: Laufschuhe
  • B: Blaue Farbe
  • 40DE: Größe 40 Deutschland
  • 3 Ziffern für korrelative Zahlen zur Identifikation von Varianten des Schuhs.

Nutzen Sie im Codesystem Marke oder Branche nur, wenn dies absolut nötig ist, da diese Faktoren nicht exklusiv sind und die Artikel eines Tages durch andere ersetzt werden könnten.

Planen Sie außerdem zukünftiges Wachstum und Erweiterungen in Ihrem Codesystem ein und lassen Sie Buchstaben und Zahlen für die Zukunft übrig. Lernen Sie Ihre Mitarbeiter an, wie sie das System nutzen können. Nutzer werden innerhalb kurzer Zeit mit dem System vertraut und werden viele SKUs auswendig kennen!

3. Optimierung Ihrer Bestände

Nutzen Sie ein angemessenes Wiederbestellungspunktsystem, je nach Art der SKU-Bestandsstrategie. Diese Strategien können sein:

  • Los für Los, beim Verwalten hochwertiger SKUs. Dies folgt einer strengen Kontrolle oder muss Bestandsniveaus so niedrig wie möglich halten, um die Bestandskosten zu senken.
  • Optimale Bestellmenge, beim Verwalten von SKUs in größeren Volumina bei konstanter Nachfrage.
  • Fixer Zeitpunkt, beim Verwalten von geringwertigen SKUs mit den niedrigsten Bestellkosten. Normalerweise handelt es sich hierbei um Güter, die in großen Chargen gekauft und in geringer Frequenz produziert werden.

Bedenken Sie außerdem die Wiederbestellungspunkte Ihrer SKUs. Führen Sie ein automatisches Max-Min-Wiederbestellungspunktsystem ein. Nutzen Sie farbliche Balken oder graphische Bestandsniveauanzeigen an Ihren Regalen. So wissen Sie sofort, wann der Bestand zu niedrig oder zu hoch ist. Ziehen Sie außerdem Sicherheitsbestände in Betracht, um das Risiko von Fehlbeständen zu verringern. Genau die richtige Bestandsmenge zur Verfügung zu haben, erspart Ihrem Unternehmen einige unerwartete Albträume in letzter Minute.

4. Einführung eines angemessenen Lagerhallen-Verwaltungssystems

Eine geeignete Lagerumgebung benötigt ein angemessenes Bestandssystem und umgekehrt. Beide kräftigen und stützen sich gegenseitig. Aus diesem Grund sollten Sie Ihre Lagerräume, den Einsatz der verfügbaren Kubikmeter und die Zugänglichkeit zum Bestand optimieren. Nutzen Sie den Vorteil der drei Dimensionen und greifen Sie auf eine große Menge an SKUs zu, ohne andere bewegen zu müssen.

Halten Sie Ihre Lagerhallen sauber, sicher und organisiert. Räumen Sie Hindernisse aus Fluren und führen Sie ein Layout ein, das den Umschlag der Artikel respektiert. Nutzen Sie Tools zur schlanken Fertigung oder wenden Sie  Six-Sigma-Programme an, um Ihr Bestandsniveau zu optimieren. Merken Sie sich stets die 5S-Prinzipien aus der Kaizen-Philosophie, um Ihre Lagerhalle in gutem Zustand zu halten:

  • Sortieren: Entfernen Sie sämtliche unnützen und/oder veralteten Materialien aus Ihrer Lagerhalle. Sie könnten SKUs, die Sie nur für alle Fälle aufbewahren und die Platz und Ressourcen kosten, beispielsweise verkaufen, wiederverwenden oder entfernen.
  • Sichtbare Struktur schaffen: Geben Sie Ihren SKUs jeweils einen ganz bestimmten Platz. Das spart wertvolle Arbeitszeit, wenn Sie Ihre Artikel finden müssen.
  • Sauberhalten: Reinigen Sie Ihre Regale, Schließfächer und Lagerflächen. Es geht hierbei nicht nur um Sauberkeit, sondern auch darum, Anomalien und Verbesserungspotenzial aufzudecken.
  • Standardisieren: Wenden Sie Techniken an, die bei der Optimierung der Variabilität Ihres SKU-Portfolios helfen. Die Standardisierung Ihrer SKUs hilft, Herstellungskosten zu senken und Ihren Servicegrad zu erhöhen. Sie könnten zum Beispiel standardisierte Verpackungsmethoden einführen.
  • Sichern und verbessern: Führen Sie eine fortlaufende Verbesserungskultur ein. Einen guten Kunden zu gewinnen oder Zertifizierungen für Ihre Produkte zu erhalten sollte Sie nicht davon abhalten, weiterhin neue Verfahren anzuwenden, die Ihr Tagesgeschäft optimieren können.

5. Nutzung eines MRP-Systems

Das Bestandsmanagement eines ERP- oder MRP-Systems hilft Ihnen, die korrekte Verwaltung Ihres Bestands nicht allein Ihrem guten Gedächtnis zu überlassen. Ein  MRP-System ist eine notwendige Säule, die die zuvor genannten Verfahren stützt. Dieses MRP ist erforderlich, weil:

  • Es Ihnen hilft, die Lebensdauer Ihrer Produkte zu bestimmen und Maßnahmen zu ergreifen, wie Rabatte oder Werbeaktionen anzuwenden, oder einfach nur Ihr FIFO/LIFO-System zu erhalten.
  • Das eingerichtete MRP-System Ihnen hilft, Ihre SKUs leicht am richtigen Ort und im richtigen Regal zu finden.
  • Es Sie die Genauigkeit Ihrer Bestandsniveaus überprüfen lässt.
  • Sämtliche Mitglieder Ihrer Organisation die Verfügbarkeit bestimmter SKUs mit ihm prüfen können.