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Produktionsplanungsmethoden
HerstellungTipps
Lesezeit 8 Minuten

Produktionsplanungsmethoden

Produktionsplanung wird als der Prozess definiert, in dessen Rahmen das Unternehmen sicherstellt, dass Vorräte und Rohmaterialien zur richtigen Zeit in der richtigen Menge am richtigen Ort sind. Hier ist ein Überblick über die verschiedenen Methoden zur Produktionsplanung.

Die Fertigung ist ein komplexes und schwieriges Unterfangen. Materialien, Arbeit, Vorschriften, Lieferketten und viele weitere Faktoren fließen in die Herstellung der Produkte ein, die letztlich von den Verbrauchern verwendet werden. Dies gilt unabhängig davon, ob das Herstellungsunternehmen diskrete Fertigung oder Prozessfertigung betreibt. Um den Produktionsfluss in der Fabrik sowie alle Elemente zu verwalten, die in richtiger Reihenfolge und Menge zusammenkommen müssen, greifen Unternehmen deshalb auf Methoden zur Produktionsplanung zurück.

Die Produktionsplanung wird definiert als der Prozess, durch den ein Unternehmen sicherstellt, dass Vorräte und Rohmaterialien zur richtigen Zeit, in richtiger Menge am richtigen Ort sind. Zu viele Materialien bedeuten zu viel Geld, das durch Bestandsführung verloren geht. Zu wenige Materialien bedeuten, dass die Produktion verlangsamt wird oder gar stoppen muss. Gleiches gilt für die erforderliche Arbeit, die für die Produktion der Güter geleistet werden muss. Unpräzise Arbeitsplanung bedeutet, dass nicht genügend Arbeiter verfügbar sind, um das erforderliche Arbeitsvolumen komplexer Produkte effizient zu erfüllen oder dass für eine optimale Produktion zu viele Arbeiter da sind und dementsprechend Geld verschwendet wird.

Die Produktionsplanung kann auch Bereiche außerhalb der Produktion betreffen. Hierbei sind zum Beispiel Verkauf und Vertrieb zu nennen, da sie sich auf den Plan verlassen müssen, um eingehende Verkäufe und ausgehende Bestellungen ins Gleichgewicht zu bringen. Die Personalabteilung muss den Produktionsplan für jeden Zyklus hingegen verstehen, um bei Einstellungen das nötige Arbeitervolumen und -fähigkeitenniveau sowie Ausbildungsmaßnahmen für aktuelle Mitarbeiter bereitzustellen.

Hauptgesichtspunkte für die korrekte Planung

Während die Produktionsplanung als Werkzeug und Disziplin bereits weit gekommen ist, gibt es dennoch viele Dinge zu berücksichtigen, bevor ein Unternehmen sich auf eine bestimmte Planungsform und den Erwerb einer Software festlegen kann. Jedes Unternehmen unterscheidet sich anhand von Größe, Produktart und geschäftlichen Anforderungen. Hier sind die Geschäftsbereiche, die vor der Bestimmung einer Produktionsplanungsmethode bewertet werden müssen:

  • Material – Abhängig von der Art des Unternehmens und der Komplexität seiner Lieferkette sind Rohstoffe und Materialien normalerweise einer der beiden größten Kostenfaktoren. Neben der Möglichkeit, diese Materialien weltweit zu beziehen und Leadzeiten bei ihrer Lieferung zu berücksichtigen, müssen Unternehmen außerdem die Qualität von Rohstoffen und Bauteilen in Betracht ziehen sowie die Ausgewogenheit der Materialien, sollten plötzliche Nachfrageschwankungen nach oben oder unten auftreten.
  • Arbeit– Arbeit ist der zweite große Kostenfaktor für Unternehmen, weshalb eine vernünftige und präzise Produktionsplanung Unternehmen unterstützen kann, diese Kosten in ein ideales Gleichgewicht zu bringen. Der Arbeitsplan wird weiter kompliziert, weil Unternehmen nicht nur sicherstellen müssen, dass sie ausreichend Arbeitskräfte zur Ausführung der Produktionsaufträge haben, sondern auch das richtige Fähigkeitenniveau der Arbeiter eine wichtige Rolle spielt. Ungelernte oder überqualifizierte Arbeit wird sich auf Kosten und Qualität auswirken sowie auf die Anzahl anwesender Arbeitskräfte.
  • Produktionsmethoden – Alle Unternehmen möchten ihre Waren so effizient wie möglich produzieren. In den letzten Jahrzehnten sind neue Disziplinen immer beliebter geworden, die diese Effizienz sicherstellen können. Jede dieser Methoden beeinflusst die Art und Weise, wie ein erfolgsbringender Produktionsplan gestaltet sein muss. Diese Methoden könnten schlanke Produktion, Six Sigma, Just-in-Time (JIT) und andere umfassen und könnten vom erforderlichen Produktionsmodus für bestimmte Produkte abhängen, wie etwa Make to Stock (MTS), Make to Order (MTO) oder Engineer to Order (ETO).
  • Kostenkalkulationsmethoden – Produktkosten sind entscheidend für Hersteller und unpräzise Kalkulationen könnten sich erheblich auf den Gewinn eines Unternehmens auswirken. Unternehmen müssen je nach individuellen Märkten, geschäftlichen Anforderungen, Unternehmensgröße und Produktionsmodus entscheiden, welche Kalkulationsmethode sie nutzen und auf ihre Stücklisten und Buchhaltungsprozesse anwenden. Kalkulationsmethoden schließen aktivitätsorientierte Kalkulationen, Prozesskostenrechnung, Auftragskostenrechnung und andere ein.

Methoden der Produktionsplanung

Sobald ein Hersteller seine geschäftlichen Bedürfnisse bestimmt und die obigen Punkte berücksichtigt hat, kann er festlegen, welche Produktionsplanmethode ihm am besten zusagt. Es gibt fünf Hauptmethoden für die Produktionsplanung:

  1. Auftragsplanung – Bei dieser Methode schließen einzelne Arbeiter oder Arbeitergruppen sämtliche Aufgaben eines Herstellungsprozesses ab. Die Auftragsplanung ist wichtig, wenn Kundenspezifikationen bei der Produktion eine entscheidende Rolle spielen. Sie kann einerseits im kleinen Umfang angewendet werden, ohne umfangreiche Werkzeuge oder Fähigkeiten zu erfordern, andererseits natürlich auch in komplexen Umgebungen, in denen hochqualifizierte Positionen in großen Teams besetzt werden müssen sowie hochtechnisierte Ausrüstung und fortschrittliches Projektmanagement nötig ist. In beiden Fällen führen der oder die Arbeiter jedoch sämtliche Aspekte der Produktion aus.
  2. Chargenplanung – Die Chargenmethode erfordert die Aufteilung der Arbeit an Herstellungssegmenten oder -komponenten in mehrere Teile. Jede Baugruppe oder Charge muss abgeschlossen werden, bevor der Rest des finalen Produkts fertiggestellt werden kann. Diese Methode wird häufig von Elektronikherstellern angewendet, findet sich jedoch auch bei Herstellern von Haushaltsgeräten oder anderen Fertigungstätigkeiten, bei denen elektronische Unterbaugruppen vorzufinden sind. Für jede Zelle, die spezielle Chargen produziert, ist eine Arbeitsspezialisierung erforderlich.
  3. Flussplanung – Ähnlich wie bei der Chargenmethode will auch die Flussmethode Material- und Arbeitsfluss verbessern. Der Unterschied ist jedoch, dass bei der Flussmethode, wenngleich jede Zelle aus einzelnen oder mehreren Arbeitern an Unterbaugruppen-Chargen oder -komponenten arbeitet, die Produktion als Fließband mit fertigen Komponenten, die den Produktionslinien bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden, weitergehen kann. So bleiben Produktions- und Arbeitsfluss am Laufen, ohne dass Verzögerungen oder Störungen ausgelöst werden.
  4. Prozessplanung – Arbeits-, Fluss- und Chargenplanung finden sich häufig bei der diskreten Produktion oder in Unternehmen, die auf Bestellung produzieren. Bei der Prozessfertigung findet sich jedoch häufiger die Prozessplanung bei kommodizierten Gütern, bei denen Rohstoffe fortlaufend verarbeitet werden. Dies schließt Güter wie gesponnenes Garn in einer Abteilung eines Textilunternehmens ein, das dann in einem anderen kommodizierten oder fortlaufenden Fluss kombiniert und gesponnen wird. Bei dieser Prozessmethode ist die Produktion fortlaufend und könnte hochautomatisierte Maschinen und Ausrüstung sowie automatisierte Etikettierung, Verpackung und Bewegung innerhalb der Fabrik umfassen.
  5. Massenproduktionsplanung – Die Massenproduktionsplanung ist ebenfalls für hochautomatisierte Prozessfertiger geeignet und greift auf Techniken wie ausgewogene Produktion oder produktweise Konzepte zurück. Bei der ausgewogenen Produktion produzieren hoch-kommodifizierte und automatisierte Prozesse genau das, was benötigt wird. Auf diese Weise gehen zum Beispiel Lebensmittel-, Textil- und andere Verbrauchsgüterhersteller vor. Das ist typisch für die Prozessfertigung, bei der Taktzeiten und Materialanforderungen präzise gemessen werden und bekannt sind. Bei produktweisen Konzepten sind Werkzeuge, Arbeitskräfte, Ressourcen und Materialien an verschiedenen Teilen der Fertigungslinie, je nachdem, in welchem Fertigungsstadium sich das Produkt aktuell befindet

Software-Lösungen

Wenn kleine und mittelgroße Unternehmen wachsen und skalieren, werden ihre Planungsbedürfnisse immer komplexer. Abhängig von der genutzten Methode könnte sich ein Unternehmen in der Situation wiederfinden, dass es eine neue Softwareart benötigt, die es dabei unterstützen kann, mit der Geschwindigkeit und Komplexität des Produktionsplans mitzuhalten. Mit Skalierung eines Unternehmens könnte ein Unternehmen also von einer Lösung auf eine andere wechseln müssen, sollte dies erforderlich werden.

  • Tabellenbasierte Software – Die einfachste Planungsform greift auf Excel, Word, Google-Docs und andere ähnliche Programme zurück und wird immer noch von erstaunlichen 30% aller Kleinunternehmen verwendet. Diese Werkzeuge können in Kombination zwar eine Weile funktionieren, doch mit erhöhtem Auftragsvolumen und mehr Verkäufen verlangsamen sie die Planung. Die dann nötige Automatisierung könnte mit der Tool-Kombination allerdings nicht möglich sein.
  • Kundenspezifische Planungssoftware – Einige Unternehmen haben den Vorteil von Abteilungen oder lokalen Netzwerkverbindungen, die es ihnen möglich machen, ihre eigene Software zur Planungsverwaltung zu erstellen. Dies mag zwar die Anfangskosten senken, hängt jedoch immer von den Fähigkeiten des Vertragsnehmers oder firmeneigenen Experten ab, der das Unternehmen jederzeit verlassen könnte. Weiterhin erhöhen sich im Vergleich zu anderen Softwares mit der Zeit die Kosten für Updates und Verbesserungen.
  • Spezialisierte Planungssoftware – Spezialisierte Planungssoftware ist speziell dafür entwickelt, die Bedürfnisse von kleinen und mittelgroßen Unternehmen zu erfüllen. Sie geht das Dilemma eines rapide wachsenden Unternehmens an, während es den Bedarf an firmeneigener Expertise reduziert. Außerdem kann es Updates automatisieren und wird oft mit ERP-Lösungen und anderer Software integriert, die im Laufe der Zeit ebenfalls eingeführt werden könnten.

Unabhängig von der Größe eines Fertigungsunternehmens sollte jeder die Erwägungen berücksichtigen, die für die Wahl der optimalen Produktionsplanungsmethode erforderlich sind. So können Kosten gesenkt, die Qualität verbessert und die Arbeitsflüsse vereinfacht werden, wodurch das Unternehmen sich besser auf Wachstum und Entwicklung konzentrieren kann. Zusammen mit der richtigen Software können kleine und mittelgroße Fertigungsunternehmen so auch mit größeren Wettbewerbern schritthalten.

Karl H Lauri
Karl H Lauri

Seit mehr als 4 Jahren arbeitet Karl bei MRPeasy mit dem Hauptziel, kleine Hersteller und Händler mit nützlichen Informationen zu versorgen. Er arbeitet gerne mit anderen Branchenspezialisten zusammen, um seine Artikel mit realen Einblicken zu ergänzen, wobei er sich besonders darauf konzentriert, das Feedback von Herstellern zu nutzen, die gerade MRP-Software implementieren. Karl hat auch mit angesehenen Publikationen im Fertigungsbereich zusammengearbeitet, darunter IndustryWeek und FoodLogistics.

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