Kapazitätsauslastung – Ein simpler Leitfaden

Die Kapazitätsauslastung ist eine wichtige Kennzahl für Produktionsunternehmen. Sie stellt den prozentualen Anteil der Produktionskapazität (oder Produktivität) von Fabriken, Unternehmen oder Wirtschaften dar, zu dem sie im Vergleich zum maximalen Potenzial arbeiten.

Kapazitätsauslastung

Was ist Kapazitätsauslastung

Die Kapazitätsauslastung bezieht sich auf den tatsächlichen Produktionsgrad eines Unternehmens mit installierter Produktionskapazität im Vergleich zu seinem potenziell maximalen Output. Das richtige Verhältnis zwischen tatsächlichem Output und maximalem Output zu finden, ermöglicht es Unternehmen, die Effizienz ihrer Produktionstätigkeiten zu erkennen. Außerdem können sie mit ihr den Auslastungsgrad anderer geschäftlicher Aktivposten einschätzen, wie etwa die Mitarbeiterproduktivität.

Die Kapazitätsauslastung kommt als Kennzahl häufig in Branchen zum Einsatz, die physische Produkte statt Dienstleistungen anbieten, da es weitaus komplexer ist, den Auslastungsgrad für letztere zu berechnen. Sie wird auch von Regierungen eingesetzt, um die wirtschaftlichen Kapazitäten ihrer Branchen zu bestimmen. So kalkuliert beispielsweise die FED seit 60 Jahren die Kapazitätsauslastung für 89 ihrer Branchen-Teilsektoren in den USA.

Als wichtige Kennzahl im Produktionsmanagement kann die Kapazitätsauslastung bei der Kapazitätsplanung der Produktionstätigkeiten eine große Hilfe sein. Neben Überlegungen für effektivere Produktionsplanungen unterstützt sie Unternehmen außerdem, die durchschnittlichen Produktionskosten und den Teilungspunkt zwischen fixen und variablen Kosten zu berücksichtigen sowie den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen, in neue Märkte einzutreten oder alte Märkte zu verlassen.

Die Berechnung der Kapazitätsauslastung

Um die Kapazitätsauslastung zu berechnen, ist es zunächst nötig, das tatsächliche Output-Niveau der Produktion zu bestimmen. Dies schließt ein, Daten über die Kapazität der aktuellen Belegschaft, Maschinen, Betriebsmittel, Bestandsbewegungen, Zykluszeiten usw. zu sammeln. Der maximale potenzielle Output oder Produktionskapazität muss auf ähnliche Weise bestätigt werden. Sie können dies durch die Analyse von Kennzahlen wie produktive Stunden pro Tag, die Durchsatzzeit von Produkten usw. erreichen. Die Daten für die Output-Niveaus sollten im Idealfall über einen längeren Zeitraum erfasst werden, um zu vermeiden, die betriebliche Leistung basierend auf Schwankungen im Geschäftsvolumen oder bei Produktionsbedingungen einzuschätzen.

Einige weitere technischere Kennzahlen zur Bestimmung der Produktionskapazität sind die GAE oder Gesamtanlageneffektivität und die TEEP oder Total Effective Equipment Performance (gesamte effektive Anlagenproduktivität). Die GAE bestimmt die wahre produktive Zeit einer Produktionstätigkeit, indem sie die Verfügbarkeit der Arbeitsstation mit der Zykluszeit der Arbeitsstation und der Qualität der Produktion bzw. der Fehlerquote multipliziert. Die TEEP hingegen erweitert diese Berechnung, indem sie außerdem die Auslastung berücksichtigt und sie mit der GAE multipliziert.

Sobald die Daten über die tatsächliche und potenzielle Auslastung erhalten wurden, ist es möglich, die Kapazitätsauslastung zu bestimmen. Eine einfache Formel ist, den tatsächlichen Output eines Produktionsbetriebs durch den maximal möglichen potenziellen Output zu teilen (bei installierter Produktionskapazität) und dann das Produkt mit hundert zu multiplizieren, um eine Prozentzahl zu erhalten.

Kapazitätsauslastung = (tatsächlicher Output / potenzieller Output) x 100

Angenommen, eine Fabrik produziert pro Woche 100 Fahrräder, doch ihr potenzieller maximaler Output sind 140 Fahrräder. Die Kapazitätsauslastung dieser Fabrik wäre dann: (100 / 140) x 100 = 71,43%. Wäre die Kapazitätsauslastung näher an 100%, würden die durchschnittlichen Kosten der produzierten Einheiten geringer sein. Weiterhin wäre auch die Gemeinkosten-Marge (die im Falle von vorhergesehenen Nachfrageanstiegen nützlich sein kann) ebenfalls kleiner.

Was ist der potenzielle Output?

Sie sollten sich merken, dass potenzieller Output auf zwei Weisen definiert werden kann – technisch und wirtschaftlich. Die technische Definition bezieht sich auf die maximale Output-Menge in einem bestimmten Zeitraum bei installierter Produktionskapazität. Dies drückt den Produktionsfreiraum eines Herstellungsunternehmens dar, ohne die durchschnittlichen Produktionskosten durch Anstellung zusätzlicher Arbeiter oder den Kauf neuer Maschinen anzuheben.

Realistisch gesehen könnten die Durchschnittskosten eines Produktionsbetriebs weit vor Annäherung an die 100%-Marke anfangen zu steigen. Wenn die Produktion nah an ihre theoretische Grenze gebracht wird, gibt es immer weniger Raum für Fehler, außerdem wird die Maschinenabschreibung schneller, es werden zusätzliche Schichten und mehr Wartungsarbeiten benötigt usw. Der wirtschaftliche Output wird demnach als das Output-Niveau ausgedrückt, über dem die Durchschnittskosten der Produktion anfangen realistisch zu steigen.

Eine Kapazitätsauslastung von 100% mag sich auf dem Papier nach einer guten Idee anhören, doch langfristig ist das häufig nicht kosteneffektiv. Bei maximaler Kapazität könnten plötzliche Nachfrageanstiege ein Produktionsdefizit während Zeiten potenzieller geschäftlicher Ausweitungen nach sich ziehen, ganz zu schweigen von auftretenden Spannungen wegen tagein tagaus an die Kapazitätsgrenzen getriebenen Mitarbeitern und Maschinen.

Kapazitätsauslastung – Geschäftliche Überlegungen

Es ist wichtig, die Kapazitätsausnutzung eines Produktionsbetriebs zu berücksichtigen, weil sie als Kennzahl wertvolle Einblicke in die Kostenstruktur eines Unternehmens liefern kann. Außerdem lässt sie Unternehmen das ideale Gleichgewicht zwischen Produktionsrate und durchschnittlichen Stückkosten finden. Viele Unternehmen passen ihre Kapazitätsauslastung außerdem je nach Kundenbedürfnissen, Rohstoffpreisen, Phasen im Geschäftszyklus usw. nach oben oder unten an.

Ist die Kapazitätsauslastung ständig sehr hoch, wäre es wahrscheinlich eine gute Idee, in neue Fertigungsinfrastrukturen zu investieren, um die Produktionskapazität weiter zu erhöhen. Neben anderen Überlegungen könnte das helfen zu vermeiden, aufstrebende oder bestehende Marktobergrenzen nicht erfüllen zu können. Andererseits, sollte die Auslastung stets niedrig sein, sollte sich das Unternehmen darauf konzentrieren, die Effizienz seiner Produktionstätigkeiten zu erhöhen. Dies kann auf mehrere Wege erfolgen, zum Beispiel durch Einführung neuer Produktionssysteme (wie etwa SMED), die Anstellung neuer Mitarbeiter, Untervergaben von Teilen des Produktionsprozesses, selbst Unteraufträge anzunehmen, die Produktionsplanung zu optimieren usw.

Die wichtigsten Schlüsselpunkte

  • Die Kapazitätsauslastung ist eine Kennzahl, die den tatsächlichen Produktionsoutput eines Unternehmens mit seinem potenziell maximalen Output vergleicht.
  • Die Kennzahl wird eingesetzt, um die verfügbaren Fertigungsgemeinkosten zu bestimmen, ohne Investitionen oder neue Fertigungsinfrastrukturen zu brauchen.
  • Eine Kapazitätsauslastung von 100% scheint ideal zu sein, ist jedoch langfristig häufig nicht aufrechtzuerhalten. Eine Auslastung von 85% gilt in den meisten Fällen als optimal.
  • Die Kapazitätsauslastung hat eine umgekehrte Beziehung zu den durchschnittlichen Stückkosten – je höher der Auslastungsgrad, desto geringer die durchschnittlichen Stückkosten und umgekehrt.

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