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Eine Einführung in die Just-in-Time Produktion
Herstellung
Lesezeit 10 Minuten

Eine Einführung in die Just-in-Time Produktion

Die Just-in-Time-Produktion hilft Unternehmen, Leadzeiten zu verkürzten, Bestand zu minimieren und andere verborgene Ineffizienzen anzugehen, indem sie Vorräte direkt auf die Produktionszeitpläne ausrichtet.

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Was ist die Just-in-Time-Produktion?

Die Just-in-Time-Produktion (JIT) ist eine Produktionsstrategie, die darauf abzielt, die Nachfrage so genau wie möglich zu decken und gleichzeitig Verschwendung und zusätzliche Kosten, die mit der Erzeugung überschüssiger Waren verbunden sind, zu minimieren. Sie ist der schlanken Produktion sehr ähnlich, weshalb die Begriffe manchmal synonym verwendet werden.

JIT, auch bekannt als Kurzzeit-, Fließ- oder schlanke Produktion, zielt darauf ab, genau die Artikel in den Mengen zum Zeitpunkt ihrer Bestellung von der nächsten Arbeitsstation oder vom Kunden zu produzieren. Eine genaue Bedarfsprognose ist daher eine Grundvoraussetzung für dieses Produktionsmodell.

JIT zielt darauf ab, Verschwendung zu vermeiden, die durch ineffiziente Fertigung entsteht. Das führt zu einer Verringerung von Lagerbestand, Arbeitskosten, Lagerraum, Durchlaufzeit und mehr. Betrachten wir uns im Folgenden die wichtigsten Arten von Produktionsverschwendung, die JIT angehen kann:

Überproduktion ist die Herstellung von Produkten im Voraus oder über den Bedarf hinaus. Sie wird von den Fürsprechern der Just-in-Time-Produktion als die schwerwiegendste Art der Verschwendung angesehen, weil sie Zeit, Platz und Geld vergeudet und gleichzeitig die anderen Probleme in den Prozessen eines Unternehmens verdeckt.

Warten, einen Prozess zu beginnen, bis ein anderer abgeschlossen ist, ist ineffektiv und eine massive Zeitverschwendung. Der Fluss aller Vorgänge sollte effizient und kontinuierlich sein. Einigen Schätzungen zufolge entfallen mehr als 90 Prozent der Zeit, die ein Produkt in der Fertigung verbringt, mit Warten.

Überschüssige Bestände bedeuten in der Regel, dass ein Unternehmen mehr bestellt hat, als der Markt verlangt, oder dass die Nachfrage nach der Bestellung der Bestände drastisch zurückgeht. In jedem Fall schaden sie dem Geschäft, weil sie Platz wegnehmen und verwaltet werden müssen. Unternehmen entledigen sich oft überschüssiger Bestände, indem sie sie zu einem geringeren Preis verkaufen oder entsorgen, was die Gewinne jedoch erheblich schmälern kann.

Die Geschichte der Just-in-Time-Produktion

Die Just-in-Time-Produktion wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ernsthaft eingeführt. Japanische Hersteller, die damals in großen Geldnöten steckten, führten dieses System ein, weil sie Produktionsmethoden mit großen Lagerbeständen, die in den entwickelten Ländern üblich waren, nicht finanzieren konnten. Außerdem fehlte es ihnen an natürlichen Ressourcen und verfügbaren Mitarbeitern, um die Produktion von Großserien in Erwägung ziehen zu können.

Infolgedessen bauten diese Hersteller kleinere Fabriken und verarbeiteten kleinere Mengen von Rohstoffen schnell zu kleineren Produkt- oder Bauteilserien. Diese kleineren Mengen ermöglichten es den Herstellern, ein ein haltbares Niveau an Betriebskapital zu erreichen und gleichzeitig ihr finanzielles Risiko zu minimieren.

Während das ursprüngliche Just-in-Time-Konzept Toyota zugeschrieben wird (in den westlichen Medien wurde es sogar als Toyota-Produktionssystem bezeichnet), argumentieren einige, dass japanische Werften das Konzept als erste erfolgreich entwickelt und umgesetzt haben. Doch unabhängig davon, wer von beiden der Urheber war, steht fest, dass die Idee aufgrund Japans Mängeln an Bargeld, Platz für große Fabriken und Inventar und natürlichen Ressourcen geboren wurde.

Die Nachricht von der Just-in-Time-Produktionstechnik erreichte die Vereinigten Staaten um 1977, und bis 1980 hatten die meisten Industrieländer eine Version davon eingeführt.

Just-in-Time-Produktion im Vergleich zu traditionellen Methoden

Früher führten Hersteller größere Lagerbestände an Rohstoffen und produzierten größere Mengen an Fertigerzeugnissen, nur für den Fall, dass die Nachfrage nach ihrem Produkt steigen würde. Es überrascht nicht, dass diese Philosophie oft als Just-in-Case-Fertigung (JIC) bezeichnet wird – sprich „nur für alle Fälle“. Die Unternehmen bezeichneten diese zusätzlichen Bestände als Sicherheitsbestände und waren gezwungen, diese überschüssigen Bestände zu verwalten und eine Delle in ihren Gewinnen hinzunehmen.

Die Just-in-Time-Fertigung zielt dagegen darauf ab, kleinere Mengen von Rohstoffen häufiger zu bestellen, wenn sie für die kurzfristige Produktion benötigt werden. Die Bestellung von Beständen nach Bedarf bedeutet, dass ein Unternehmen stets mit niedrigen Beständen arbeitet und keine Sicherheitsbestände führt. Die Just-in-Time-Fertigungsstrategie senkt oder beseitigt somit die Kosten für überschüssige Bestände und verringert gleichzeitig die Verschwendung.

Wann Sie Just-in-Time nutzen können

Die Just-in-Time-Produktion ist für Auftragsfertiger, die zum Beispiel auftragsbezogen montieren oder eine kleine Werkstatt betreiben, eine fast natürliche Geschäftsbedingung. Die Idee von JIT lautet jedoch, die Vorteile dieser Fertigungsarten in die Großserienfertigung zu übertragen.

Der Kerngedanke von JIT in der Produktion ist, dass die Materialien für die Produktion genau dann eintreffen sollten, wenn die Produktion beginnen soll, und nicht früher. Zum anderen sollten die hergestellten Produkte auch genau dann fertig sein, wenn sie an die Kunden ausgeliefert werden sollen.

Das bedeutet, dass JIT am besten eingesetzt werden kann, wenn die Marktnachfrage nach den Produkten mit hoher Genauigkeit vorhergesagt werden kann, die Nachfrage keine plötzlichen Schwankungen aufweist und Sie äußerst zuverlässige Lieferanten haben.

Die Vorteile der Just-in-Time-Produktion

Wenn Unternehmen die nötige Zeit und Mühe in die Einführung eines Just-in-Time-Fertigungssystems investieren, können sie mit weitreichenden Auswirkungen auf ihre Produktivität, ihr Risikomanagement und ihre Betriebskosten rechnen. Hier sind einige der Vorteile, die JIT-Hersteller weltweit verzeichnen:

  • Drastisch reduzierte Bestandsniveaus
  • Kürzere Leadzeiten
  • Geringere Arbeitskosten
  • Weniger Platzbedarf für den Betrieb
  • Verringerung des Bestands an halbfertigen Erzeugnissen
  • Verbesserung der Qualität (weniger Fehler)
  • Verringerung der Durchlaufzeit
  • Kürzere Normalarbeitszeit
  • Erhöhte Anzahl an Sendungen

Der durch JIT bewirkte Bestandsabbau könnte auch eine Reihe von Problemen und Ineffizienzen zutage fördern, die zuvor durch hohe Bestände verdeckt wurden. Dazu können häufige Ausfälle, lange Rüstzeiten, ineffiziente Zeitplanung, Qualifikationsdefizite und mehr zählen.

Risiken der Just-in-Time-Produktion

In den meisten Fällen werden Unternehmen, die Just-in-Time-Fertigungsverfahren anwenden, niedrigere Lagerbestände, kürzere Zykluszeiten, kürzere Markteinführungszeiten und niedrigere Betriebskosten verzeichnen. Allerdings gibt es auch Risiken, insbesondere für kleinere Unternehmen. Wenn ein Zulieferer ausfällt und das benötigte Material nicht liefern kann, kann das den gesamten Produktionsprozess stören oder zum Stillstand bringen.

Darüber hinaus könnten die Produktbestellungen eines Kunden die Erwartungen des Unternehmens übersteigen, was zu Verzögerungen bei der Auslieferung von Fertigwaren an mehrere Kunden führen könnte.

Um mit Just-in-Time die besten Erfolgsaussichten zu haben, müssen die Unternehmen Lieferanten finden, die entweder in der Nähe ansässig sind oder ihre Materialien schnell und ohne große Vorankündigung liefern können. Es ist auch wichtig, dass diese Lieferanten auf Mindestbestellungen verzichten, die für kleinere Unternehmen, die in der Regel kleinere Mengen an Materialien kaufen, nachteilig sein könnten.

Einführungsanforderungen für JIT

Die Just-in-Time-Produktion stützt sich stark auf Lieferantenbeziehungen, Kommunikation, Standardisierung und kontinuierliche Verbesserung. Deshalb tun sich manche Unternehmen, vor allem kleinere, mit der Umsetzung des Systems oft schwer.

1. Starke Lieferantenbeziehungen

Zum einen sind größere Unternehmen aufgrund ihrer schieren Größe gegenüber KMUs im Vorteil – da sie einen großen Teil des Geschäfts eines Lieferanten ausmachen, genießen sie bei ihm häufig höhere Priorität. Sollten Probleme in der Lieferkette auftreten, werden kleinere Kunden zugunsten der größeren vernachlässigt. Bei der Just-in-Time-Fertigung könnte eine solche Störung jedoch den gesamten Betrieb entgleisen, da das Unternehmen von seinen Lieferanten abhängig ist und keinen Sicherheitsbestand hält. Deshalb sind gute Lieferantenbeziehungen der Schlüssel zur Just-in-Time-Fertigung. Eine weitere Möglichkeit, dieses Problem zu entschärfen, wäre die Auswahl von Lieferanten, die sich in der Nähe Ihres Betriebs befinden.

2. Effektive interne Kommunikation

Auch die interne Kommunikation könnte sich als Problem erweisen. Wenn Informationen, die den Betrieb betreffen, in Silos untergebracht sind, sprich jede Abteilung über eigene Datensysteme verfügt, leidet die Kommunikation. Das wiederum verlangsamt den gesamten Betrieb, führt zu Datenungenauigkeiten und kann sich erheblich auf das Endergebnis des Unternehmens auswirken. Damit die Just-in-Time-Produktion funktioniert, sollte ein Kundenauftrag die Planungsabteilung genau dann erreichen, wenn der Vertriebsmitarbeiter ihn in sein System eingibt. Und das erfordert ein zentrales Datensystem wie ein ERP/MRP-System.

3. Standardisierte Prozesse

Standardverfahren für jeden Vorgang sorgen dafür, dass die Ergebnisse zuverlässig vorhersehbar sind. Dazu zählt auch, wie lange das Verfahren dauern und welche Qualität es erzeugen sollte. Wenn eine Abweichung von der Norm festgestellt wird, können Maßnahmen ergriffen werden, um die Ursache für die Inkonsistenz zu ermitteln.

4. Kleinere Losgrößen

Das Arbeiten in kleineren Losen hat viele Vorteile, darunter eine bessere Qualität, ein geringerer Bestand an halbfertigen Erzeugnissen und eine Verringerung der Bestandskosten und des benötigten Lagerraums. Bei der Just-in-Time-Produktion bedeuten kleinere Lose, dass nur die unmittelbar benötigte Menge an Waren produziert und nichts auf Vorrat hergestellt wird.

5. Effiziente Workflows

Neben der Standardisierung der Verfahren und der Arbeit mit kleineren Losen muss ein Just-in-Time-Hersteller auch über ein gut geplantes Anlagenlayout verfügen, das den Produktionsfluss unterstützt. Dies kann mit einem Ansatz erreicht werden, der als zellulare Fertigung bezeichnet wird. Dabei werden Geräte, Teilebehälter, Werkzeuge und Arbeitsplätze in Zellen angeordnet, um optimierte Arbeitsabläufe zu ermöglichen, die Einrichtungs- und Umrüstzeiten zu verkürzen und einen rationellen Materialtransport zu gewährleisten.

6. Fähigkeit zur Rückwärtsterminierung

Rückwärtsterminierung bedeutet, dass die Produktionsaufträge genau so geplant werden, dass sie zu den von den Kunden gewünschten Lieferterminen fertiggestellt und pünktlich ausgeliefert werden. Das bedeutet, dass alles bis zur letzten Minute geplant wird, einschließlich der Materialbestellung und der Produktion selbst. Dies kann jedoch nicht durchgängig manuell erfolgen und erfordert ein ERP/MRP-System mit Rückwärtsterminierungsfunktionalität.

Just-in-Time-Produktion mit einem Cloud-basierten ERP/MRP-System

Die Just-in-Time-Produktion kann nicht nur mit einem ERP-/MRP-System zusammenarbeiten, auch kann eine solche Software eine wesentliche Rolle im gesamten JIT-Konzept des Unternehmens spielen. Im Einklang mit den Zielen der Just-in-Time-Produktion wurden ERP-Systeme entwickelt, um das „überflüssige Fett“ aus einem Unternehmen zu entfernen, den Betrieb zu rationalisieren und die Ressourcen effizient zu verwalten.

Durch die Bereitstellung eines zentralen Datensystems und die mühelose und genaue Kommunikation zwischen den Abteilungen schafft ein ERP-System die Grundlage für die Einführung von JIT. Da jede Dateneingabe in der Software reflektiert wird, erhalten alle Abteilungen umgehend die erforderlichen Informationen. So wird beispielsweise ein Kundenauftrag automatisch in einen Fertigungsauftrag umgewandelt. Mit Hilfe der Rückwärtsterminierung kann ein ERP/MRP-System einen Auftrag nahtlos einplanen, sodass er genau dann fertig ist, wenn er versandt werden soll.

Die wichtigsten Schlüsselpunkte

  • Die Just-in-Time-Produktion ist ein System, das darauf abzielt, die Zeit eines Produkts in der Produktion und die Reaktionszeit von Lieferanten zu verkürzen sowie Verschwendung zu beseitigen, die durch Überproduktion, Wartezeiten und Überbestände entsteht.
  • Im Gegensatz zu traditionellen Formen der Fertigung werden bei der Just-in-Time-Produktion kleinere Mengen von Rohstoffen häufiger bestellt, wenn sie für die kurzfristige Produktion benötigt werden, und fertige Waren werden umgehend ausgeliefert. Auf diese Weise wird der Lagerbestand auf ein Minimum reduziert.
  • Zu den Vorteilen von JIT gehören neben der Verringerung der Lagerbestände auch kürzere Durchlaufzeiten, geringere Arbeitskosten, weniger Platzbedarf, Verringerung von Bestand an halbfertigen Erzeugnissen und Durchlaufzeiten, Qualitätsverbesserungen usw.
  • JIT kann am besten eingesetzt werden, wenn die Marktnachfrage nach den Produkten mit hoher Genauigkeit vorhergesagt werden kann, die Nachfrage keinen plötzlichen Schwankungen unterliegt und Sie über äußerst zuverlässige Lieferanten verfügen.
  • Zu den Risiken von JIT für kleine Hersteller gehören die Gefahr von Unterbrechungen der Lieferkette sowie ungenaue Prognosen.
  • Damit die Just-in-Time-Produktion funktioniert, muss ein Unternehmen über starke Lieferantenbeziehungen, eine effektive interne Kommunikation, standardisierte Verfahren, kleine Losgrößen, effiziente Arbeitsabläufe und die Fähigkeit zur Rückwärtsterminierung verfügen.
  • Viele dieser Aspekte können durch die Einführung eines ERP/MRP-Systems unterstützt werden.

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Karl H Lauri
Karl H Lauri

Seit mehr als 4 Jahren arbeitet Karl bei MRPeasy mit dem Hauptziel, kleine Hersteller und Händler mit nützlichen Informationen zu versorgen. Er arbeitet gerne mit anderen Branchenspezialisten zusammen, um seine Artikel mit realen Einblicken zu ergänzen, wobei er sich besonders darauf konzentriert, das Feedback von Herstellern zu nutzen, die gerade MRP-Software implementieren. Karl hat auch mit angesehenen Publikationen im Fertigungsbereich zusammengearbeitet, darunter IndustryWeek und FoodLogistics.

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