Incoterms – Ein simpler Leitfaden

Incoterms oder internationale Handelsbedingungen werden verwendet, um den Handelsprozess, insbesondere in Versand und Logistik, zu vereinfachen und zu standardisieren. Stand heute gibt es 11 verschiedene Incoterms, die verschiedene Verantwortlichkeiten zwischen den Parteien einer Transaktion klären.

Incoterm

Was sind Incoterms?

Incoterms oder internationale Handelsbedingungen sind ein Industriestandard, der zur Regelung des internationalen Handels eingesetzt wird. Sie bieten ein rechtliches Rahmenwerk für kommerzielle Transaktionen und Beschaffungsprozesse und definieren die Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen von Käufern und Verkäufern, hauptsächlich während der Versand- und Logistikphase einer Transaktion.

Stand heute gibt es 11 Incoterms, die einige der Aspekte und Prozesse einer Transaktion definieren, damit Aufgaben, Kosten, Risiken und Verantwortlichkeiten von beiden Parteien gut verstanden werden. Zu den in den Incoterms definierten Bedingungen zählen:

  • Lieferung. Sie legt den Punkt fest, ab dem das rechtliche Risiko für Verlust oder Schäden vom Verkäufer auf den Käufer übergeht.
  • Transportkosten. Sie legen fest, welche Partei für den für die Lieferung der Güter notwendigen Transport bezahlt.
  • Export-/Importdokumentation. Dies legt fest, welche Partei mit den Formalitäten und der Dokumentation hinsichtlich Import und Export umgeht.
  • Versicherungskosten. Dies legt die Partei fest, die die Versicherungskosten übernimmt.

Incoterms enthalten jedoch keine Informationen über Produkte, Leadzeiten, Preis- oder Zahlungsbedingungen und bieten auch keine Streitlösungsmechanismen. Aus diesem Grund müssen Incoterms von weiteren Bedingungen und Klauseln begleitet werden, um andere Verkaufssituationen anzugehen. Sämtliche Bedingungen sollten wiederum innerhalb einer Beschaffungssoftware verwaltet werden.

Der erste Incoterms-Satz wurde von der Internationalen Handelskammer 1936 veröffentlicht, woraufhin sie periodisch geprüft und geändert wurden. Die aktuelle Version – Incoterms 2020 – ist die neunte Edition der Incoterms und wurde am 10. September 2019 veröffentlicht.

Klassifizierung der Incoterms

Es gibt zwei grundlegende Methoden zur Kategorisierung der Incoterms: Die erste ist nach der Natur der Bedingungen, die andere nach dem eingesetzten Transportmittel. Im Falle vom letzterem wird ein Unterschied gemacht zwischen Incoterms für jeden Transportweg und Incoterms nur für See- und Binnenschifffracht. Die andere Unterscheidung unterteilt die Incoterms in vier Kategorien.

  1. Kategorie E enthält nur eine Bedingungen: EXW (Ex Works).
  2. Kategorie F enthält drei Bedingungen: FCA (Free Carrier), FAS (Free Alongside Ship) und FOB (Free on Board).
  3. Kategorie C enthält vier Bedingungen: CPT (Carriage Paid To), CIP (Carriage and Insurance Paid to), CFR (Cost and Freight), CIF (Cost, Insurance and Freight).
  4. Kategorie D enthält drei Bedingungen: DAP (Delivered at Place), DPU (Delivered at Place Unloaded), DDP (Delivered Duty Paid).

Diese Kategorien zeigen, wie die Verantwortlichkeiten und Risiken zwischen den beiden Transaktionsparteien unterteilt werden. Während Kategorie E einen minimalen Satz an Verantwortlichkeiten für den Lieferanten auferlegt, ist bei Kategorie D genau das Gegenteil der Fall: Hier trägt der Lieferant die meiste Verantwortung, während der Käufer sich nur um wenig Sorgen zu machen braucht.

Grundlegende Eigenschaften von Incoterms

Wie bereits erwähnt, bezieht sich einer der allgemeinen Unterschiede zwischen den verschiedenen Incoterms auf die Transportmethode. Werfen wir einen Blick auf die Incoterms, indem wir sie in diese zwei Gruppen unterteilen.

Incoterms für alle Transportmethoden

EXW Incoterm

Der EXW oder Ex Works Incoterm macht den Käufer für die komplette Reise des Produkts verantwortlich. Der Verkäufer muss lediglich die Produkte zu einer vereinbarten Zeit an einem vereinbarten Ort verfügbar machen (normalerweise am Geschäftsort des Verkäufers). Falls der Standort im Vertrag nicht festgelegt ist, kann der Verkäufer selbst einen geeigneten Ort wählen. Der Käufer muss die Verladung organisieren und falls nötig die Waren für den Export freigeben. Der Käufer übernimmt außerdem alle Verlust- und Schadensrisiken sowie die Kosten ab Lieferung der Güter – sprich, wenn sie beim Standort des Verkäufers verfügbar gemacht wurden. Im EXW-Rahmenwerk ist keine Versicherung erforderlich.

Ein gutes Beispiel für einen EXW Incoterm ist eine Kuriersendung, bei der der Käufer einen Kurierdienst beauftragt, Güter vom Firmengelände seines Lieferanten abzuholen. EXW wird hauptsächlich beim inländischen Handel eingesetzt.

FCA Incoterm

FCA oder Free Carrier macht den Verkäufer verantwortlich, die Güter entweder auf das Transportmittel des Käufers zu laden oder an den vorher definierten Lieferort zu bringen, von dem aus die Güter an einen vom Käufer arrangierten Kurierdienstleister übergeben werden. In letzterem Fall muss der Verkäufer die Güter auf seine Fahrzeuge laden und sie an den vereinbarten Standort bringen, die Güter jedoch nicht selber abladen. Der FCA Incoterm erfordert vom Verkäufer allerdings, die Güter für den Export freizugeben, falls nötig. Die Importfreigabe obliegt wiederum dem Käufer. Wie beim EXW Incoterm ist bei FCA auch keine Versicherung erforderlich.

CPT und CIP Incoterms

CPT oder Carriage Paid To legt fest, dass der Käufer für die Lieferung der Waren an einem bestimmten Ort zahlen muss, der normalerweise eine Einrichtung des Käufers oder ein Zielhafen ist. Der Käufer übernimmt jedoch alle Verlust- und Schadensrisiken, sobald die Güter auf das Transportfahrzeug des ersten Spediteurs an der Einrichtung des Verkäufers geladen werden.

Der CPT Incoterm macht den Verkäufer ebenfalls verantwortlich, die Güter für den Export freizugeben, während der Käufer sich um die Importfreigabe kümmern muss. Im CPT-Rahmenwerk ist keine Versicherung erforderlich.

CIP oder Carriage and Insurance Paid To hat die gleichen Eigenschaften wie CPT, kommt jedoch mit einer zusätzlichen Versicherungspflicht. Nach der Revision von 2020 muss diese Versicherung den vertraglichen Preis plus 10% decken, falls nichts anderes vereinbart wurde. Die Versicherung wird vom Verkäufer gestellt.

DAP, DPU und DDP Incoterms

DAP oder Delivered At Place kommt hauptsächlich in Situationen zum Einsatz, wo die Parteien nicht möchten, dass der Verkäufer für die Entladung der Güter am Zielort verantwortlich ist. In diesem Fall gelten die Güter als geliefert, wenn das Transportfahrzeug an der Einrichtung des Käufers ankommt. Bis dahin übernimmt der Verkäufer alle Verlust- oder Schadensrisiken.

DPU oder Delivered At Place Unloaded legt hingegen fest, dass der Verkäufer auch für die Entladung der Güter am Zielort verantwortlich ist.

In beiden Fällen trägt der Verkäufer die Verantwortung für die Exportformalitäten und der Käufer für die Importformalitäten.

DDP oder Delivered Duty Paid legt schließlich fest, dass der Käufer die Güter zwar entladen muss, der Verkäufer die Ware jedoch sowohl für den Export als auch für den Import freigeben muss.

Bei den Incoterms der D-Kategorie ist keine Versicherung erforderlich.

Incoterms für See- und Binnenschifffracht

FAS und FOB Incoterms

FAS oder Free Alongside Ship legt fest, dass der Käufer den Transport von Hafen zu Hafen organisieren und zahlen muss. Die Güter gelten als geliefert, wenn sie neben das Wasserfahrzeug des Käufers im Hafen abgeladen werden. Ab diesem Moment trägt der Käufer alle Kosten und Risiken. Innerhalb des FAS-Rahmenwerks muss der Verkäufer die Güter für den Export freigeben und der Käufer für den Import, insofern nichts anderes vereinbart wurde. FAS sollte nur für Nicht-Container-Seefrachten und die Binnenschifffracht verwendet werden.

Unter dem FOB oder Free On Board Incoterm muss der Verkäufer die Güter auf das Wasserfahrzeug des Käufers laden. Das bedeutet, das Verlust- und Schadensrisiko wird erst dann auf den Käufer übertragen, wenn sich die Güter an Bord des Schiffs befinden. Wie bei FAS, muss der Verkäufer die Güter für den Export und der Käufer für den Import freigeben.

Bei diesen Incoterms ist keine Versicherung von den Vertragsparteien erforderlich.

CFR und CIF Incoterms

CFR oder Cost and Freight legt fest, dass der Verkäufer für die Verladung der Güter auf das Schiff verantwortlich ist, woraufhin das Verlust- und Schadensrisiko auf den Käufer übergeht. Der Verkäufer muss jedoch trotzdem den Transport zum Zielhafen organisieren und zahlen. Außerdem muss er die Güter für den Export freigeben, der Käufer hingegen für den Import. Auch beim CFR Incoterm ist keine Versicherung erforderlich.

CIF oder Cost, Insurance and Freight bewahrt die gleichen grundlegenden Eigenschaften wie CFR, fügt jedoch eine Versicherungsverantwortung für die Reise vom Versand- zum Zielhafen hinzu.

Die wichtigsten Schlüsselpunkte

  • Incoterms oder Internationale Handelsbedingungen sind Industriestandards, die zur Regelung des internationalen Handels eingesetzt werden, indem sie die Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen zwischen Käufer und Verkäufer klären, hauptsächlich in der Versand- und Logistikphase einer Transaktion.
  • Stand heute gibt es 11 Incoterms, die einige Aspekte und Prozesse einer Transaktion definieren, einschließlich Lieferung, Transportkosten, Import- und Exportformalitäten und Versicherungskosten.
  • Incoterms enthalten keine Informationen über Produkte, ihre Preise oder Zahlungsbedingungen und liefern auch keine Streitlösungsmechanismen. Aus diesem Grund müssen sie von separaten Bedingungen ergänzt werden, die diese Bedingungen des Verkaufs angehen.
  • Incoterms werden entweder nach der Natur der Bedingungen kategorisiert oder nach der eingesetzten Transportmethode (alle Transportmethoden und Meer- und Binnenschifffracht).
  • Unter dem Ex Works (EXW) Incoterm holt der Käufer die Güter am Standort des Verkäufers ab und übernimmt alle Transportkosten sowie das Verlust- und Schadensrisiko.
  • Der Free Carrier (FCA) Incoterm legt fest, dass der Verkäufer die Güter auf das Transportmittel des Spediteurs verlädt. Damit geht das Verlust- und Schadensrisiko auf den Käufer über.
  • Unter dem Carriage Paid To (CPT) Incoterm muss der Verkäufer den Transport zahlen, während der Käufer das Risiko für Schäden oder Verlust übernimmt. Beim Carrier Insurance Paid to (CIP) Incoterm muss der Verkäufer außerdem für die Versicherung zahlen.
  • Unter dem Delivered at Place (DAP) Incoterm ist der Verkäufer verantwortlich für die Lieferung der Güter an die Einrichtung des Käufers, ohne die Güter abladen zu müssen. Beim Delivered at Place Unloaded (DPU) Incoterm muss der Verkäufer die Güter auch abladen, wobei das Risiko erst danach auf den Käufer übergeht.
  • Der Delivered Duty Paid (DPP) Incoterm gibt dem Verkäufer die Verantwortung für die Freigabe der Güter für Export und Import, außerdem muss er die Lieferung der Güter an die Einrichtung des Käufers organisieren, ohne die Artikel abladen zu müssen.
  • Unter dem Free Alongside Ship (FAS) Incoterm muss der Verkäufer die Güter neben das Versandschiff des Käufers abladen, woraufhin das Risiko und die Kosten vom Käufer übernommen werden.
  • Der Free On Board (FOB) Incoterm legt fest, dass der Verkäufer auch für die Beladung der Güter auf das Frachtschiff zuständig ist.
  • Unter dem Cost and Freight (CFR) Incoterm muss der Verkäufer die Güter an den Zielhafen liefern, während das Verlust- und Schadensrisiko auf den Käufer übergeht, sobald die Waren auf das Schiff verladen wurden. Der Cost, Insurance, and Freight (CIF) Incoterm legt außerdem eine Versicherungspflicht auf, die der Verkäufer bezahlen muss.

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