Was ist Entkopplungsbestand?

Entkopplungsbestand ist ein strategischer Pufferbestand an Unterbaugruppen und halbfertigen Erzeugnissen, auf den zurückgegriffen werden kann, wenn Lieferanten nicht verfügbar sind, es interne Störungen (wie Maschinenausfälle) gibt, oder wenn die Nachfrage größer ist als erwartet. Unternehmen können so komplette Ausfälle vermeiden und den Peitscheneffekt minimieren.

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Was ist Entkopplungsbestand?

Entkopplungsbestand ist der Pufferbestand, der zur Unterstützung strategischer Phasen des Herstellungsprozesses geführt wird, um Störungen in der Lieferkette des Unternehmens auszugleichen. Insbesondere ist hiermit zusätzlicher Bestand an Unterbaugruppen und halbfertigen Erzeugnissen gemeint, mit dem Unternehmen Leadzeiten verkürzen oder es vermeiden können, dass sich Ausfälle in einem Produktionsbereich auf den gesamten Betrieb ausweiten.

Zum Beispiel könnte ein Möbelhersteller mit nur zwei Arbeitsstationen – Montage und Lackierung – zusätzlichen Bestand an Produkten führen wollen, die bereits montiert, aber noch nicht lackiert sind. In diesem Fall könnte die Lackierabteilung bei einem Ausfall der Montage wegen Lieferantenproblemen oder krankheitsbedingten Ausfällen weiter an montierten Möbeln arbeiten, die als entkoppelter Bestand geführt wurden, und so Kundenaufträge dennoch rechtzeitig erfüllen. Dieser zusätzliche Bestand an halbfertigen Erzeugnissen kann dem Unternehmen außerdem helfen, auf unerwartet hohe Nachfrage zu reagieren.

Ein weiteres Beispiel wären moderne Automobilhersteller, die häufig fast fertige Fahrzeuge herstellen, sie dann als Bestand lagern und je nach eingehendem Kundenauftrag Anpassungen wie die Lackierung oder Extras hinzufügen. In diesem Fall wird das Kernprodukt als Entkopplungsbestand geführt, um schnelle Lieferungen an den Kunden sicherzustellen.

Diese Technik für das Bestandsmanagement lässt sich jedoch in jeder Umgebung mit mehreren unabhängigen Arbeitsstationen einsetzen. Wenn zusätzlicher Entkopplungsbestand an halbfertigen Erzeugnissen zwischen diesen Produktionsphasen vorhanden ist (den Entkopplungspunkten), können Arbeitsstationen später im Produktionszyklus bei einem Ausfall einer vor ihnen liegenden Station trotzdem wie gewohnt weiterarbeiten. Auch wenn eine Phase des Produktionsprozesses langsamer ist als andere, kann zusätzlicher Bestand am Entkopplungspunkt zwischen dieser und der nächsten Produktionsphase die Leadzeiten erheblich verkürzen. Gleiches gilt, wenn sich Rohstofflieferungen verzögern. Entkopplungsbestand kann demnach ein sehr effektives Mittel gegen den Peitscheneffekt sein.

Was ist der Entkopplungspunkt?

Ein Entkopplungspunkt ist in Punkt zwischen verschiedenen Produktionsphasen, wo Entkopplungsbestand geführt wird. Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass der zusätzliche Bestand physisch an einem Bereich zwischen verschiedenen Arbeitsstationen gelagert wird. Vielmehr werden diese Unterbaugruppen und halbfertigen Erzeugnisse immer noch in der Lagerhalle aufbewahrt und nur bei Bedarf in die Fertigung gebracht.

Bei unserem oben erwähnten Möbelhersteller liegt der Entkopplungspunkt also zwischen Montage und Lackierung. Das bedeutet, dass der entkoppelte Bestand montiert, aber nicht lackiert ist.

Komplexere Systeme können jedoch mehrere Entkopplungspunkte haben und dadurch eine flexiblere Lieferkette schaffen.

Die Vorteile von Entkopplungsbestand

Zu den Vorteilen von Entkopplungsbestand zählen:

  • Verhinderung von Ausfällen aufgrund von Lieferantenproblemen
  • Verhinderung von Ausfällen aufgrund von internen Faktoren, wie Mitarbeiterkrankheiten oder Maschinenfehlern.
  • Möglichkeit, auf Nachfragespitzen reagieren zu können.
  • Minimierung des Peitscheneffekts durch Erstellung einer Barriere zwischen Angebot und Nachfrage, wodurch Schwankungen an beiden Enden verringert werden.
  • Möglichkeit, Wartung an bestimmten Arbeitsstationen vorzunehmen, ohne die Produktion unterbrechen zu müssen.
  • Potenzielle Minimieung von Leadzeiten.

Die offensichtlichsten Nachteile von Entkopplungsbestand sind die höheren Lagerkosten und der zusätzliche Raumbedarf, doch bei einer analytischen Herangehensweise werden die Vorteile diese Nachteile sicher überwiegen.

Entkopplungsbestand vs. Sicherheitsbestand vs. Pipeline-Bestand

Es könnte erhebliche Verwirrung vorherrschen zwischen den Begriffen „Entkopplungsbestand“, „Sicherheitsbestand“ und „Pipeline-Bestand“, da sie sich alle auf eine Art Bestandspuffer beziehen. Die Unterschiede sind jedoch leicht nachzuvollziehen.

Wie wir bereits wissen, ist Entkopplungsbestand zusätzlicher Bestand, der in der Produktion zum Einsatz kommt, falls eine Störung den normalen Produktionszyklus unterbricht. Allgemein steht Entkopplungsbestand mit der internen Lieferkette des Unternehmens im Zusammenhang. Das bedeutet, er wird zur Minimierung von Ausfallrisiken eingesetzt, die durch Maschinenausfälle, Wartungsarbeiten oder ausfallende Mitarbeiter bestehen. Dies erfolgt durch die Ausstattung der Entkopplungspunkte zwischen verschiedenen Produktionsphasen mit zusätzlichem Bestand an Unterbaugruppen und halbfertigen Erzeugnissen.

Sicherheitsbestand bezieht sich hingegen auf einen Puffer an Rohmaterialien oder fertigen Produkten, der zur Reaktion auf Störungen auf Lieferantenseite oder Nachfragespitzen auf Kundenseite eingesetzt wird. Der Begriff „Sicherheitsbestand“ wird demnach allgemein im Kontext verwendet, Problemen in der externen Lieferkette des Unternehmens entgegenzuwirken. Auftragsfertigende Unternehmen können ihren Sicherheitsbestand an Rohmaterialien und Teilen nutzen, um die Produktion fortzusetzen, wenn sich Lieferungen verzögern. Lagerfertigende Unternehmen können hingegen einen Sicherheitsbestand an fertigen Gütern führen, um auf unerwartet hohe Nachfrage zu reagieren.

Pipeline-Bestand bezieht sich schließlich nur auf die Lieferantenseite der Lieferkette. Er setzt sich aus den Teilen und Rohstoffen zusammen, die das Unternehmen bereits bestellt hat, aber noch nicht bei ihm eingetroffen sind. Unternehmen könnten Pipeline-Bestand führen wollen, wenn die Leadzeiten ihrer Lieferanten relativ lang sind. So befindet eine bestimmte Menge der benötigten Rohmaterialien und Teile im ständigen Transit und kommt in regelmäßigen Abständen im Unternehmen an, die deutlich kürzer sind als die Leadzeit des Lieferanten.

Entkopplungsbestand in ERP/MRP-Systemen

Der leichteste Weg, Entkopplungsbestand in einem ERP/MRP-System einzurichten, ist mehrstufige Stücklisten für Ihre Waren zu erstellen .Innerhalb dieser Funktion können Sie Produkte erstellen, die sich aus Unterbaugruppen zusammensetzen. Wenn Sie Ihren Entkopplungsbestand verfolgen müssen, können Sie halbfertige Erzeugnisse, die bestimmte Phasen des Produktionsprozesses abgeschlossen haben, als Unterbaugruppen behandeln, die im Endprodukt eingesetzt werden.

Beispielsweise könnte ein unbehandelter Holztisch eine Unterbaugruppe für einen lackierten Holztisch sein.

Sobald ein Kunde einen lackierten Holztisch bestellt und ein Fertigungsauftrag generiert wird, prüft das System automatisch, ob die notwendige Unterbaugruppe (der unbehandelte Tisch) bereits auf Lager ist. Falls nicht, umfasst der Fertigungsauftrag außerdem die Produktion der erforderlichen Unterbaugruppe. Wie anderen Produkten auch, können Unterbaugruppen Sicherheitsbestände und Bestellpunkte zugewiesen werden, sodass eine definierte Menge an Entkopplungsbestand stets auf Lager ist. Es ist auch möglich, das Unterbaugruppenprodukt „Entkopplungsbestand“ zu nennen und es für Buchhaltungszwecke als halbfertiges Erzeugnis zu kategorisieren.

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ERP/MRP-Systeme mit mehrschichtiger Stücklistenfunktion lassen Sie Ihren Entkopplungsbestand verfolgen.

Die wichtigsten Schlüsselpunkte

  • Entkopplungsbestand ist der Pufferbestand, den Sie führen, um strategische Phasen des Produktionsprozesses zu unterstützen, damit Sie Störungen in der internen Lieferkette entgegenwirken können.
  • Das bedeutet, bestimmte Mengen an Unterbaugruppen und halbfertigen Erzeugnissen sowie Rohmaterialien und Teilen, die zur Fertigstellung des Produkts nötig sind, an den Entkopplungspunkten auf Lager zu führen, damit sich Ausfälle in einem Produktionsbereich nicht auf den gesamten Betrieb ausweiten.
  • Entkopplungspunkte sind die Punkte zwischen verschiedenen Arbeitsstationen, an denen der Bestand entkoppelt wird. Ein Möbelhersteller könnte zum Beispiel zwischen Montage und Lackierung entkoppeln. Auf diese Weise steht jederzeit montiertes Möbel bereit, lackiert und versandt zu werden.
  • Entkopplungsbestand wird häufig mit Sicherheitsbestand und Pipeline-Bestand verwechselt. Während sich Entkopplungsbestand auf gelagerte Unterbaugruppen und halbfertige Erzeugnisse an Entkopplungspunkten bezieht, meint Sicherheitsbestand Rohmaterialien und fertige Erzeugnisse, die als Puffer fungieren, wenn Lieferanten nicht verfügbar sind oder die Nachfrage größer ist als gewöhnlich. Pipeline-Bestand ist schließlich der Materialfluss, der sich fortlaufend im Transit befindet und in regelmäßigen Abständen im Unternehmen ankommt, um langen Leadzeiten von Lieferanten entgegenzuwirken.
  • Entkopplungsbestand lässt sich leicht in einem ERP/MRP-System verwalten, das mehrschichtige Stücklisten unterstützt.

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