Was ist dezentrale Produktion?

Bei der dezentralen Produktion sind Produktionsstätten über ein weites geografisches Gebiet verteilt, wobei jede ihren lokalen Markt bedient und mithilfe von Cloud-basierter Software koordiniert wird. Die dezentrale Produktion gewinnt langsam aber sicher an Boden, weil sie Vorteile wie kürzere Leadzeiten und geringere Vertriebskosten bietet.

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Was ist dezentrale Produktion?

Die dezentrale Produktion ist ein Geschäftsmodell, bei dem Produktionsstätten eines Betriebs über ein breites geografisches Gebiet ein Netzwerk bilden. Diese verteilten Einrichtungen produzieren häufig kundenindividuelle Güter für den lokalen Markt, während sie entweder dezentralisiert sind oder von anderswo mithilfe von Cloud-basierter Software zentral verwaltet werden.

Wenngleich Konglomerate seit Jahrzehnten davon profitieren, Fertigungsstätten an verschiedenen Orten auf der Welt zu haben, bezieht sich die dezentrale Produktion auf autonome Netzwerke oder kleinere Unternehmen, die lokale Mikro-Hersteller nutzen, um ihre Produkte in begrenzterem Umfang zu produzieren und zu verteilen. Unter dem Motto „global designen, lokal produzieren“ werden Designs frei unter den Netzwerkmitgliedern geteilt und Produkte je nach Nachfrage gefertigt.

Bei der traditionellen Methode würde ein Unternehmen beispielsweise irgendwo auf der Welt eine große Fertigungsstätte finden, die seine Produkte zu den geringsten Kosten herstellen kann und gleichzeitig die Qualitätsstandards einhält. Die Güter wurden massenproduziert und von der Fabrik auf den Zielmarkt verschickt, der aufgrund von Offshoring sehr weit weg sein konnte.

Bei der dezentralen Produktion könnte ein Unternehmen hingegen Mikro-Produzenten finden, die regional auf den Zielmärkten sind, und ihnen Produktdesigns und Kundenaufträge zukommen lassen und manchmal sogar ihren Bestand und ihre Einkäufe verwalten. Die Güter werden dann in kleineren Mengen produziert und umgehend an den Kunden in derselben Region verschickt. Die Produktion ist zwar wahrscheinlich etwas teurer, doch die deutlich kürzeren Leadzeiten, niedrigere Produktionskosten und oft hochwertigere Produkte machen diesen Nachteil wieder wett.

Die Vorteile der dezentralen Produktion

Die dezentrale Produktion hat als Geschäftsmodell mehrere Vorteile, durch die sie als Methode immer mehr Aufmerksamkeit vom Mainstream erhält. Zu ihnen zählen:

  1. Geringere Vertriebskosten. Einer der zentralen Pluspunkte der dezentralen Produktion ist die Fertigung in der Nähe des Endverbrauchers. Dies vermeidet lange Versandprozesse und spart eine Menge Geld für Logistik und Vertrieb.
  2. Kürzere Leadzeiten. Da Lieferungen lokal erfolgen, können Leadzeiten relativ stark begrenzt werden. Im Idealfall werden Materialien ebenfalls von lokalen Lieferanten bezogen, was die Time-to-Market weiter senken kann.
  3. Weniger Kapitalinvestitionen nötig. Ein Unternehmen mit dezentraler Produktion braucht normalerweise deutlich weniger Kapitalinvestitionen, bevor es sein Geschäft ins Rollen bringen kann. Es sucht stattdessen einfach Mikro-Produzenten, die bereits über ihre eigenen Maschinen und Produktionseinrichtungen verfügen (z.B. Werkstätten).
  4. Mehr Flexibilität bei der Kapazität. Wenn die Arbeit von unabhängigen Vertragspartnern in Anspruch genommen wird, die nur arbeiten, wenn in ihrer Region Nachfrage nach den Produkten besteht, erhalten Unternehmen die Chance, ihre Produktionskapazität bei Bedarf zu erhöhen oder zu senken. Das Unternehmen kann je nach Nachfrage verkleinert oder erweitert werden und damit auch in Anbetracht von Schwankungen agil bleiben.
  5. Bessere Kapazitätsauslastung. Kleine Fertigungswerkstätten können vom dezentralen Produktionsmodell profizieren, indem Löcher in ihren Produktionszeitplänen durch kleine Aufträge von anderen Quellen gefüllt werden. Das kann zu besserer Kapazitätsplanung, erhöhten Kapazitätsauslastungsquoten, einem gesünderen Cashflow und letzten Endes mehr Gewinn führen.
  6. Größerer Expertenpool. Wenn sie nicht auf ein einziges Gebiet beschränkt sind, haben Unternehmen mit dezentraler Produktion Zugriff auf eine größere Anzahl an Experten in den Bereichen Fertigung, Maschinenbau oder Verwaltung. Der Einsatz von Cloud-basierter Software bedeutet, dass Aufgaben wie Produktdesign, Warenbeschaffung, Produktionsplanung, Finanzen, Vertrieb usw. aus der Ferne erfolgen können.
  7. Streuung von Risiken. Mit vielen Produktionseinrichtungen, die ihre jeweiligen lokalen Märkte bedienen, wird das Risiko von Produktionsausfällen, die das ganze Unternehmen betreffen, ausgemerzt. In traditionellen Herstellungsunternehmen können Störungen in der Produktion oder der Lieferkette das gesamte Geschäft beeinflussen; in der dezentralen Produktion können andere Produktionsstätten ihre Arbeit problemlos fortsetzen, selbst wenn woanders eine Störung auftritt.
  8. Förderung von lokalen Wirtschaften. Wenn Sie Arbeitsplätze auf dem Markt schaffen, auf dem Sie Ihre Produkte verkaufen möchten, bringt das sowohl für die lokale Wirtschaft als auch für Sie als Unternehmen Vorteile. Ein Teil des Geldes, das Sie dort in Umlauf bringen, findet seinen Weg schließlich wieder zurück in Ihre eigene Bilanz.
  9. Nachhaltigkeit. Produktion im kleinen Umfang in der Nähe der Lieferanten von Rohstoffen und von Endverbrauchern ist nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht von Vorteil. Es ist außerdem eine gute Maßnahme, Umweltschäden durch den globalen Warentransport zu verringern. Wenn Ihre Lieferkette weniger Transportmeilen hat, können Sie globale Emissionen dramatisch reduzieren.

Beispiele für dezentrale Produktion

Einige der besten Beispiele für die dezentrale Produktion sind Plattformen wie Xometry und Hubs, die tausende Werkstätten versammeln und Leute ihre 3D-Modelle hochladen lassen, um diese dann so nah wie möglich an ihrem Standort zu produzieren.

Es gibt jedoch auch spezialisierte Unternehmen, die ein Netzwerk an lokalen Werkstätten nutzen, um ihre Produkte zu produzieren und zu verteilen. Eines der besten Beispiele ist AtFAB, ein Möbeldesignunternehmen aus New York, das seine Produkte auf Opendesk anbietet, einer Plattform für dezentrale Möbelproduktion.

WikiHouse ist ein dezentrales Produktionsunternehmen, das Baukästen für den Bau von nachhaltigen Wohnhäusern designt und produziert. Kunden können die CNC-gefrästen Baukästen bestellen, sie dann in der nächstgelegenen Werkstatt produzieren lassen und später selbst zusammenbauen.

All diese oben genannten Beispiele sind Innovatoren in ihrem Feld, allerdings kann die dezentrale Produktion mithilfe eines ERP/MRP-Systems auch in traditionelleren Umfeldern funktionieren.

Dezentrale Produktion und ERP/MRP

Um ein Netzwerk an Mikro-Produzenten zu verwalten, muss ein Unternehmen ein ERP/MRP-System einführen, das mehrere Dinge auf einmal managen kann:

  1. Subunternehmen. Sie können Ihre outgesourcten Produzenten auflisten und Kaufaufträge für sie ausstellen und verfolgen.
  2. Outgesourcte Produktionstätigkeiten. Sie können Fertigungstätigkeiten für die Hersteller planen und ihren Fortschritt verfolgen.
  3. Mehrere Lager- und Produktionsstätten. Mit dieser Funktion können Sie geografisch verteilte Einrichtungen verwalten, Fertigungs- und Kaufaufträge für bestimmte Orte erstellen und Artikel aus verschiedenen Lagern verkaufen.

Viele Systeme bieten außerdem Integrationen mit diversen E-Commerce-Plattformen wie Shopify, WooCommerce oder BigCommerce an, sodass Unternehmen ihre E-Shops einrichten können, um mit der Produktionssoftware zu kommunizieren. Wenn ein Kundenauftrag eintrifft, können Sie die Arbeit an einen bestimmten Standort vergeben oder die erforderlichen Produkte aus dem nächstgelegenen Bestand buchen.

Die wichtigsten Schlüsselpunkte

  • Die dezentrale Produktion ist ein Geschäftsmodell, bei dem die Fertigungseinrichtungen eines Unternehmens über ein größeres geografisches Gebiet ein Netzwerk bilden.
  • Diese Netzwerke können aus autonomen Mitgliedern bestehen, die durch Software miteinander verbunden sind, oder Unternehmen sein, die lokale Mikro-Produzenten nutzen, um ihre Produkte in geringerem Umfang zu produzieren und zu verteilen.
  • Güter werden in kleineren Mengen produziert und umgehend an den Kunden in derselben Region verschickt. Wenngleich die Produktion wahrscheinlich teurer ist, wird dieser Nachteil durch deutlich kürzere Leadzeiten, geringere Vertriebskosten und oft auch hochwertigere Produkte wettgemacht.
  • Weitere Vorteile der dezentralen Produktion sind: geringere Vertriebskosten, minimale Anforderungen für Kapitalinvestitionen, bessere Flexibilität und Kapazitätsauslastung, Streuung des Risikos und Nachhaltigkeit.
  • Einige bekanntere dezentrale Produktionsplattformen und -marken sind Xometry, Hubs, AtFAB, Opendesk und WikiHouse.
  • Die dezentrale Produktion kann potenziell mithilfe eines ERP-Systems eingerichtet werden, das Untervergaben, outgesourcte Produktionstätigkeiten und mehrere Lager- und Produktionsstätten ermöglicht.

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