Bestandsbewertungsmethoden – Wie Sie die richtige Methode finden

Nur wenige Dinge sind für die Finanzabteilungen von Herstellungsunternehmen so wichtig wie die Bestandskosten. Hier ist ein Überblick über die verschiedenen Bewertungsmethoden.

Bestandsbewertungsmethoden

Nur wenige Dinge sind für die Finanzabteilungen von Herstellungsunternehmen so wichtig wie die Bestandskosten. Hier ist ein Überblick über die verschiedenen Bewertungsmethoden.

Selbstkosten stehen mit dem Bruttogewinn in einem umgekehrten Verhältnis. Falls sich die Selbstkosten eines Unternehmens erhöhen, fällt sein Bruttogewinn niedriger aus. Sollten die Selbstkosten jedoch sinken, steigt der Bruttogewinn am Ende der gemessenen Periode entsprechend.

Ein einfacher Prozess mit komplexen Bedeutungen

Der grundlegende Fluss der Bestandskalkulation ist relativ simpel. Jedes Unternehmen beginnt eine Periode mit einem Anfangsbestand, der in Geldeinheiten bewertet wird. Zusammen mit Nettoeinkäufen für diese Periode wird der Gesamtwert als eine Summe namens ‚Verkaufsfähige Waren‘ ausgedrückt. Am Ende der Periode werden diese verkaufsfähigen Waren in zwei Kategorien aufgegliedert, Endbestand und Selbstkosten.

Sie müssen große Sorgfalt walten lassen, Selbstkosten und Endbestand richtig zuzuweisen, weil diese beiden Werte an unterschiedlichen Orten der Aufzeichnungen eines Unternehmens erscheinen. Die Selbstkosten werden berechnet, indem der bewertete Betrag von den Verkäufen abgezogen wird, um so den Bruttogewinn zu erhalten. Dieser Wert wird dann in der Einkommenserklärung angegeben. Der Endbestand wiederum wird in der Bilanz des Unternehmens vermerkt und als aktueller Vermögensposten gesehen.

Verschiedene Bestandskostenmodule

Dieser Prozess wird weiter kompliziert, da Unternehmen ihren Bestand auf unterschiedliche Weisen kalkulieren können. Die Wahl der Berechnungsmethode kann von mehreren Faktoren abhängen und jedes Unternehmen wählt diejenige, die am besten zu seiner finanziellen Gesundheit, seiner Geschäftsstrategie und seinen langfristigen Zielen passt. Unternehmen, die beispielsweise teure Verkaufsartikel produzieren und Angst davor haben, dass die Kosten mit der Zeit steigen, könnten eine Methode nutzen, die das zu versteuernde Einkommen reduziert, während andere Unternehmen eine starke Bilanz anstreben, um Investoren anzuziehen und für CapEx-Finanzierung berechtigt zu sein.

Da kein Unternehmen dem anderen gleicht und jede Bestandskostenbewertungsmethode unterschiedliche Ergebnisse liefert, ist es entscheidend, eine Methode zu wählen, die den einzigartigen Anforderungen des Unternehmens entspricht. Wenngleich es viele verschiedene Bestandskostenmethoden gibt, zählen die folgenden zu den beliebtesten:

First In, First Out (FIFO)

Das Konzept hinter FIFO ist simpel – ein Unternehmen verbraucht seinen ältesten Bestand zuerst. Da die Preise mit der Zeit ansteigen können, könnte FIFO dazu führen, dass der Endbestand höher bewertet wird, weil die Einzelposten-Bewertungskosten höher geworden sind. Das bedeutet, dass die Selbstkosten geringer sind und der Bruttogewinn höher berichtet werden kann. Das führt ebenfalls zu einem höheren steuerlichen Einkommen.

FIFO ist simpel und kann sowohl manuell als auch programmgestützt verwaltet werden, je nach Größe des Unternehmens. Für kleine und mittelgroße Herstellungsunternehmen (KMUs) kann diese Methode manuell verfolgt und dann in ein speziell für KMUs entwickeltes MRP-System oder ERP-System übertragen werden.

FIFO könnte ebenfalls angewendet werden, um Finanzierungsanforderungen zu erfüllen, je nachdem, ob das Unternehme ein diskreter oder ein Prozessfertiger ist. Viele kleine Prozessfertiger verlassen sich auf „faktorierte“ Finanzierung – eine Art Zwischenfinanzierung, bei der das KMU ein kurzfristiges Darlehen erhält (ein paar Wochen oder Monate), um den Cashflow zu decken, wenn Einzelhändler für die gekauften Waren des Unternehmens längere Zahlungsbedingungen haben. Wenn Factoring oder kurzfristige Darlehen verwendet werden, schreiben die Anforderungen hierfür normalerweise vor, dass der Betrag an kurzfristigem Kapital, das gegen Verbindlichkeiten geliehen werden kann, nur bis zu 80-90% der Bestandsgüter betragen kann, die weniger als 180 Tage alt sind. Das stellt einen großen Motivationsfaktor für KMUs dar, die einen angespannten Cashflow haben, und macht FIFO zur besten Wahl.

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Last In, First Out (LIFO)

LIFO ist das Gegenteil von FIFO und bedeutet, dass der Wert des Bestands als Ergebnis des Verkaufs der neuesten Waren zuerst ausgedrückt wird. Der Hauptvorteil ist, dass der Bruttogewinn auf der Einkommenserklärung eines Unternehmens niedriger ausfällt und die Steuerschuld durch das geringere zu versteuernde Einkommen ebenfalls kleiner ist.

Die Besteuerung ist jedoch nicht der einzige Vorteil. Neben steuerlichen Vorteilen kann LIFO als Hedge gegen Inflation verwendet werden. In unsicheren Zeiten oder in Märkten, in denen die Preise höchst variabel, saisonal oder von Weltgeschehnissen beeinflusst werden, bedeutet LIFO, dass Unternehmen ihren Umsatz an die aktuellsten Kosten anpassen können, um mit den Preisfluktuationen besser zurechtzukommen. Außerdem bedeutet das, dass ein Unternehmen weniger Abschreibungen vornehmen muss.

Gewichtete Durchschnittskosten

Die gewichteten Durchschnittskosten sind ein guter Mittelweg, bei dem die Kosten der zum Verkauf verfügbaren Güter durch die Anzahl an verkaufsfähigen Lagereinheiten geteilt werden. Hersteller könnten sich aus mehreren Gründen für die gewichteten Durchschnittskosten entschieden haben. Ein Unternehmen könnte zum Beispiel wenig Variation bei seinem Bestand haben. Das gilt sowohl für diskrete als auch für Prozesshersteller, wie etwa eine Fabrik, die nur eine einzige, limitierte Serie eines bestimmten Artikels in hohen Mengen produziert, oder ein Produkt mit wenigen Produktvariationen.

Ein weiterer Grund für den Einsatz des gewichteten Durchschnitts ist, dass er vorteilhaft für Unternehmen ist, deren Systeme nicht anspruchsvoll genug sind, um FIFO und LIFO zu verfolgen. KMUs, die sich gerade erst entwickeln und deren Mitarbeiter viele Aufgaben erfüllen, könnten die Einführung der gewichteten Durchschnittskostenmethode viel einfacher und angemessener für ihre Bestandsbedürfnisse finden.

Ein dritter Grund, warum WAC für einige Hersteller eine gute Wahl ist, liegt in Fällen vor, in denen der Lagerbestand stark vermarktet ist und die Kosten pro Einheit nicht einzelnen Einheiten zugeordnet werden können oder wenn die monetären Anteile so gering sind, dass sie statistisch irrelevant sind, da alle Herstellerkosten anfallen ähnlich.

Ein letzter Grund für den Einsatz gewichteter Durchschnittskosten betrifft Branchen, die sehr gemischt sind und ihre Kosten demnach nicht pro Einheit zuweisen können. Ein Hersteller von Zahnstochern beispielsweise versteht, dass aufgrund der Geschwindigkeit des Prozesses und der unzuverlässigen Eigenschaften von Holz bei solch kleinen Produktgrößen Splitter, Verlust, kaputte Artikel und andere Probleme neben dem Endprodukt entstehen. In diesem Fall wären gewichtete Durchschnittskosten ein guter Bestandswertindikator.

First Expired, First Out (FEFO)

Es mag viele andere Bestandskostenmethoden geben, allerdings sollte FEFO für großvolumige, hochschnelle Prozesshersteller, die verderbliche Güter oder Güter mit einem bestimmten Haltbarkeitsdatum produzieren, noch erwähnt werden. Dies schließt Hersteller von Milchprodukten, Fleischwaren, Arzneimitteln und anderer Verbrauchsgüter ein, die vor einem bestimmten Datum konsumiert werden müssen. FEFO ist wie FIFO, nur dass das bestimmte Ablaufdatum eines jeden Produkts ebenfalls berücksichtigt werden muss. Ein Hersteller von Milchprodukten könnte zum Beispiel vier Wochen haltbaren Käse, allerdings auch Milch mit einer Haltbarkeit von nur ein paar Tagen herstellen. Das Ablaufdatum muss also berücksichtigt werden, genauso wie verlorener Bestand aufgrund von Verderb oder schlechten Verkäufen.

Der Standort ist wichtig

Auch der Produktionsstandort beeinflusst die Methode zur Bestandskostenbewertung. Unternehmen in den USA befolgen beispielsweise Buchhaltungsverfahren gemäß der Generally Accepted Accounting Principles (GAAP). In den meisten anderen Ländern muss jedoch der International Accounting Standard 11 (IAS 11) bei der Wahl einer Bestandskostenbewertungsmethode angewendet werden. GAAP lässt FIFO, LIFO und gewichtete Durchschnittskosten zu, während der IAS 11 nur FIFO und gewichtete Durchschnittskosten anerkennt. Weitere Unterschiede schließen ein, wie der Bestand aufgezeichnet wird. Unter den IAS 11 muss der Bestand als Kosten oder als Nettoveräußerungswert aufgezeichnet werden, je nachdem, welcher Wert geringer ist; Die GAAP hingegen erkennen Kosten oder Marktwert an, je nachdem, was geringer ist.

Die Wahl des richtigen Modells

Die von einem Herstellungsunternehmen gewählte Bestandskostenmethode sollte an die speziellen Bedürfnisse des Unternehmens angepasst sein. Natürlich beeinflusst auch der Unternehmensstandort die Entscheidung für oder gegen eine Methode, genauso wie das Steuerniveau innerhalb eines Landes, die Variation oder Volatilität der Preise auf den Märkten, die Größe und die Art der produzierten Güter (Prozessherstellung oder diskrete Herstellung), die Stückkosten und weitere Faktoren.